Preisträger des Autorenwettbewerbs

Preisträger 2018

Im Rahmen des Festivals „Kaas & Kappes“ wurden am Sonntag, 25.02.2018, im Duisburger Kinder- und Jugendtheater KOM’MA die Preisträger des 20. niederländisch-deutschen Kinder- und Jugenddramatikerpreises bekannt gegeben.
Die Bezirksbügermeisterin Astrid Hanske überreichte die Preise im Gesamtwert von 7.500 EUR für drei Theaterstücke.
Von den 105 Texten, die in diesem Jahr aus fünf verschiedenen Ländern (Deutschland (84), den Niederlanden (9), Belgien (4), Österreich (7) und der Schweiz (1) ) am Wettbewerb teilnahmen, wählte die vierköpfige Jury, bestehend aus Chiara Tissen (NL), Renate Frisch (D), Rob Vriens (NL) und Till Beckmann (D), folgende Preisträger aus:

Helwig Arenz (D)

für das Stück 

"Caligula und das Mädchen auf der Treppe"

 

2.500 €

Christina Kettering (D)

für das Stück

"Keine Lieder"

2.500 €

Christian Schönfelder (D)
nach Adalbert Stifter

Für das Stück

„Bergkristall“

2.500 €

 

Neben den Preisträgern empfiehlt die Jury folgende Texte und hat sie in den Stückepool aufgenommen:   

Daan Windhorst (NL)

mit dem Stück 

"It´s my mouth, I can say, what I want to"

 

Magne van den Berg (D) 

mit dem Stück 

"Gender"

 

Daniël van Klaveren (NL )

 

mit dem Stück 

"Nadia" 

Raoul Biltgen (A

 

mit dem Stück 

"Der freie Fall"

Esther Becker (D)

 

mit dem Stück

 

"Wildbestand"

 

Kjell Moberg Christian Schönfelder,
und 8 Studierende der Hochschule für Darstellende Kunst Stuttgart(D)

 

mit dem Stück

 

"Bis zum letzten Tanz"

 

Sanne Schumacher (NL)

mit dem Stück

Eiland

 

Nadja Wieser (D)

mit dem Stück

Honig

 

Marjet Moorman (NL)

mit dem Stück

M.R.I.A.L My robot is a lover


Informationen über die Jurymitglieder 2018:

Chiara Tissen (NL) – Autorin und Schauspielerin

Renate Frisch (D) – Mitbegründerin des KOM’MA-Theaters, Regisseurin - Duisburg

Rob Vriens (NL) – Regisseur im Kinder- und Jugendtheater, seit 2005 Hausregisseur am Theaterhaus Frankfurt

Till Beckmann (D) – Autor und Schauspieler

 

Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an die Festivalleitung (Helmuth Hensen), Tel.: 0203.283-8485 oder –8486, info@kaasundkappes.de

 

hier die Begründungen der Jury:

 

Caligula und das Mädchen auf der Treppe - von Helwig Arenz (D)

In einem Mehrfamilienhaus lernen wir zwei der Familien über ihre Kinder kennen: Luka, der Sohn der einen, freundet sich mit Janette, der Tochter der anderen an. Es gibt auf den ersten Blick klare Unterschiede zwischen beiden Familien: Auf der einen Seite Luka, der  seine pädagogisierenden,  intellektuell fixierten  Eltern mit Vornamen ansprechen muss –“Papa/Mama” ist ernsthaft unmodern- ; auf der anderen Seite Janette, die eine zwar fürsorgliche, aber emotional oft abwesende Mutter und einen saufenden, dauernd schimpfenden dauernd fernsehenden Vater hat (beide viel zu dick); hier findet man Achtsamkeit nicht im Wörterbuch. Es stehen sich also persifliert und holzschnittartig gegenüber: die klassisch-liberalen Clischee-Akademiker und die vorurteilsgemäßen Hartz-IV-Asis.
Aber Eltern sind Eltern, und ob sie selbstbewusst freundlich oder egozentrisch abwesend sind, Fehler machen alle. Luka und Janette sind also beide davon überzeugt: ihre Eltern sind die schlimmsten. Die Kinder unterhalten sich im Treppenhaus über ihren Alltag. Luka zum Beispiel hat seine Eltern beim Vögeln erwischt – eine äußerst komische Szene! – und obwohl er selbst kein großes Problem damit hat (außer, dass er es natürlich peinlich fand), muss er jetzt vor allem noch deren langwierige Ausreden und Pseudoerklärungen durchstehen.
Beide Kids empfinden die Zustände in ihren eigenen Familien als krass, und obwohl sie sich dies freimütig anvertrauen, entsteht eine Art Eifersucht dem jeweils fremden Elternpaar gegenüber. Ist diese gerechtfertigt? Und stimmt die Aussage: Wo es anders ist, ist es besser, eigentlich? Aber vor allem: Wie würde das Leben aussehen, wenn beide in Zukunft unabhängig von ‘da oben’ in Freiheit und miteinander leben könnten…? Darüber wird gequatscht und phantasiert.

In der ersten Instanz denkt man beim Lesen: ‘Wo bin ich gelandet?’ Merkwürdige Leute und irre Dialoge! Aber schnell versteht man: Witz und Ernst gehen Hand in Hand in diesem ironisierend surrealistischen Text, der über der Beschreibung von alltäglichen Situationen eine farbenreiche und besondere Welt eröffnet und mehrere Themen erfrischend behandelt. Das Verhälnis zwischen Kindern und Eltern wird auf extrem witzige Weise unter die Lupe genommen und der Autor traut sich, sämtliche Vorurteile und Klischees so zu behandeln, dass immer wieder unerwartete Kurven genommen werden.

Es macht einen Riesenspaß den Text zu lesen und man freut sich über jede neue Verrücktheit, die bei genauerer Betrachtung eigentlich erschreckend normale Situationen in Familien spiegelt. Und obwohl der Zuschauer die Eltern- und die Kinder-Perspektive  kennenlernt, verbündet er sich automatisch mit den jungen Protagonisten.

Das Stück ist ein kluges Soziogramm und verbindet als solches auf originelle Weise zwei Lebensarten; sowohl die privilegierten als auch und gerade die prekären Verhältnisse werden extrem dargestellt, kommen einem aber trotzdem sehr nah, weil die Figuren unglaublich liebevoll und immer mit einem Augenzwinkern gezeichnet werden.

Damit hat der Autor einen sehr frischen dynamischen Text geschaffen, der nach Meinung der Jury unbedingt auf die Bühne gehört.

 

 

Keine Lieder - von Christina Kettering (D)

Marc, Ella und Linda sind Außenseiter und fliehen vor der sozialen Ausgrenzung durch die angepasste Mehrheit ihrer Mitschüler in ihren verschworenen Dreier-Club, der sich regelmäßig  in einer verlassenen Fabrikhalle trifft. Hier bestärken sie sich gegenseitig in ihrer Exklusivität, aber eben auch in ihrer unverbrüchlichen Freundschaft und Zusammengehörigkeit durch die Heimlichkeit, mit der sie ihre Rituale vor der Öffentlichkeit schützen. So wird das Auftauchen eines Neuen, den Ella eines Tages mitbringt, von den beiden anderen als Störung und unbotmäßiges Eindringen empfunden. Vor allem Marc fühlt sich durch den älteren und selbstsicher auftretenden Adrian verunsichert und persönlich in Frage gestellt, zumal er sich von Ella auch als Kind schon einmal verraten sah und somit besonders sensibel auf die neue Situation reagiert.

Das Stück protokolliert im Folgenden aufs Genaueste die allmähliche Verschiebung der Machtverhältnisse innerhalb des Systems, der Einflussmöglichkeiten seiner Mitglieder sowie ihrer sozialen Wertigkeiten und macht durch den präzisen Erzählduktus die Befindlichkeiten der Protagonisten empfindlich spürbar.

Dies gelingt vor allem aufgrund der raffinierten Gesprächsführung, die durch unvermittelte Wechsel zwischen Spiel- und Erzählpart vielschichtige Perspektiven samt deren Kommentierung sichtbar werden lässt. Außerdem erlaubt diese Erzählmethode die Abwesenheit der 4. Figur – des Störenfrieds - auf der Bühne: Adrian wird nicht gespielt, er wird nur erzählt.

Marc generiert sich mehr und mehr als Opfer von Adrians Angriffen, die anfangs verdeckt und später immer offener zutage treten und auf die die Mädchen unterschiedlich reagieren. Eine Kindheitserinnerung an einen Ertrinkenden, dem trotz offensichtlicher Not keiner der anwesenden Zeugen hilft, wird wie eine Metapher in die Beziehungsgeschichte eingeflochten und wirft für den Zuschauer Fragen auf: Wer hat welches Recht woran, wer hat welchen Anspruch an wessen Loyalität und wer stört wen durch welches Verhalten? Wer gewinnt wodurch Attraktivität und will ich als Zeuge mit dem Sieger oder dem Verlierer halten?

‚Keine Lieder‘ ist eine kluge gruppendynamische Psycho-Studie, die die Entwicklung von Parteilichkeit in Freundschaft und von Zeugenschaft bei Machtausübung und Gewalt analysiert. Das Stück nutzt die Unmittelbarkeit der theatralen Situation, um die Zuschauer mit Fragen an ihre eigene Verführbarkeit zu konfrontieren, während sie unversehens in das Beziehungsdrama auf der Bühne hineingezogen werden.

 

 

Bergkristall von Christian Schönfelder
(frei nach der gleichnamigen Novelle vom Adalbert Stifter)

„Es ist einmal gegen mich bemerkt worden, dass ich nur das Kleine bilde, und dass meine Menschen stets gewöhnliche Menschen seien. Wenn das wahr ist, bin ich heute in der Lage, den Lesern ein noch Kleineres und Unbedeutendes anzubieten, nämlich allerlei Spielereien für junge Herzen. Es soll sogar in denselben nicht einmal Tugend und Sitte gepredigt werden, wie es gebräuchlich ist, sondern sie sollen nur durch das wirken, was sie sind.“
(Adalbert Stifter)

Die Bearbeitung von Stifters Novelle „Bergkristall“ durch den Autor und Dramaturgen Christian Schönfelder ist ein Beispiel dafür, dass Adaptionen bestehender Werke weit über das bloße Dramatisieren oder Bearbeiten hinausgehen können. Es können, im Glücksfall, eigenständige künstlerische Arbeiten von großer Bedeutung entstehen. Und dies ist hier der Fall. Romane und Erzählungen haben im Theater Hochkonjunktur, manchmal gelingt es, manchmal denkt man als Zuschauer „es gibt keinen Grund, diesen Stoff auf dem Theater zu zeigen“. Bei Schönfelders Bergkristall laufen vor dem inneren Auge schon beim ersten Lesen starke Theaterbilder ab.

Man will dieses Stück auf der Bühne sehen.

Die Bearbeitung schafft darüber hinaus noch etwas, was Theater im besten Fall gelingt: dass eine 150 Jahre alte Geschichte uns mehr über unsere Gegenwart erzählt als jedes aktuelle Themenstück.  Frei von Aktualitätszwang und Zeitzeugenschaft ist Bergkristall ein Stück Theater über gegenwärtige, drängende Themen: die Unaufgeschlossenheit gegenüber Fremden, die Probleme woanders anzukommen, die Ablehnung gegenüber Zugezogenen und deren Auswirkungen und über die leise Gewissheit, dass es zwischen Himmel und Erde mehr gibt als das, was wir mit  bloßem Auge erkennen können.

Ein Theaterglücksfall für Publikum jeden Alters.

 

 

Preisträger 2017

Im Rahmen des Festivals „Kaas & Kappes“ wurden am Sonntag, 19.02.2017, im Duisburger Kinder- und Jugendtheater KOM’MA die Preisträger des 19. niederländisch-deutschen Kinder- und Jugenddramatikerpreises bekannt gegeben.

Der Kulturdezernent der Stadt Duisburg – Thomas Krützberg - überreichte die Preise im Gesamtwert von 7.500 EUR für zwei Theaterstücke.

Von den 102 Texten, die in diesem Jahr aus sechs verschiedenen Ländern (Deutschland (69), den Niederlanden (9), Belgien (9), Österreich (18) und der Schweiz (3) ) am Wettbewerb teilnahmen, wählte die vierköpfige Jury, bestehend aus Silvia Andringa (NL), Renate Frisch (D), Rob Vriens (NL) und Till Beckmann (D), folgende Preisträger aus:

 

von Joachim Robbrecht (NL)

für das Stück 

"Bromance"

 

€ 3.750

Raoul Biltgen (A)

für das Stück

"Robinson - meine Insel gehört mir"

€ 3.750

 

Neben den Preisträgern empfiehlt die Jury folgende Texte und hat sie in den Stückepool aufgenommen: 

 

Jibbe Willems (NL)

mit dem Stück 

"Pretpark"

 

Finn-Ole Heinrich und 
Dita Zipfel
(D) 

mit dem Stück 

"Die erstaunlichen Abenteuer der Maulina Schmitt"

 

Susanne Falk (A )

 

mit dem Stück 

"Pamir" 

Sonja Weichand (D

 

mit dem Stück 

"Was sicher ist"

Carsten Brandau (D)

 

mit dem Stück

 

"Sagt der Walfisch zum Thunfisch"

 

Mariëlle van Sauers (NL)

 

mit dem Stück

 

"Meneer Bork zoekt een woord"

 

  

Informationen über die Jurymitglieder 2017:

Silvia Andringa (NL) – freie Regisseurin, Mitbegründerin des Theaters "Hat Laagland" und Leiterin "De Jonge Republiek" in Amsterdam

Renate Frisch (D) – Mitbegründerin des KOM’MA-Theaters, Regisseurin - Duisburg

Rob Vriens (NL) – Regisseur im Kinder- und Jugendtheater, seit 2005 Hausregiesseur am Theaterhaus Frankfurt

Till Beckmann (D) – Autor und Schauspieler - Bochum

 

Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an die Festivalleitung (Helmuth Hensen), Tel.: 0203.283-8485 oder –8486, info@kaasundkappes.de

 

hier die Begründungen der Jury:

 

Bromance - Joachim Robbrecht (NL)                                                     12+

Zwei Freunde ‚vom Land’ reden über Mädchen und Ficken und überbieten sich dabei gegenseitig im lauten Schreien. Dann kommt ein Neuer, aus der ‚großen Stadt‘, und er bringt einige ‚freie Gedanken’ mit. Die drei freunden sich an und fahren zusammen in Urlaub nach Polen. Da entsteht zwischen dem Neuen und einem der Dorfjungs eine kurze Romanze, mit Sex.                                                                                   
Aus einer scheinbar einfachen Geschichte – drei Jugendliche verhandeln Pubertätsthemen  - wird in diesem frisch sprudelnden Text ein raffiniertes Spiel. Freundschaft, Solidarität, Mädchen –natürlich Schwulsein, ja, auch das! -, Sex, Draufgängertum,  Umgang mit sanften und heftigen Emotionen, alles kriegt seinen eigenen Platz.

Mit schnellen, kurzen und treffenden Dialogen, bei denen die vielfache Wiederholung als Stilmittel eingesetzt wird,  gelingt es dem Autor, die ganze dynamische Welt der Jungs auf ein paar Quadratmetern neu zu erschaffen. Seine Sprache ist leicht, fühlt sich gnadenlos hautnah an. Das Tempo ist hoch, die Szenen kurz und knackig. Das bewirkt, dass heikle Themen wie z.B. Homosexualität selbstverständlich nebenbei behandelt werden und nie einen erhobenen Zeigefinger kriegen. Nur am Ende, wo Gewalt gegen Schwule thematisiert wird, meint man, einen Anflug von Moralisieren zu erkennen. Jedoch ist es naheliegend, dass ein solcher Text für Jugendliche Moral bedienen muss. Denn es ist auch 2017 leider immer noch nicht selbstverständlich, dieses Thema auf die Bühne zu bringen, ohne Vorurteile und besetzte Meinungen anzusprechen.

‚Bromance‘ ist eine Tragik-Komödie über aufblühende Liebe mit einem herrlich doppelten Boden. Der Abstand des Autors gegenüber der Jugendsprache bewirkt, dass der Text einerseits witzig und stereotyp wirkt, aber gleichzeitig die Jungs ernst nimmt in dem, wie sie ihr Leben wahrnehmen und in Worte fassen. Ein herrlicher Mix aus Bodenständigkeit des Dorflebens und freien Fantasien aus der Großstadt mit ihren Träumen von unbegrenzten Möglichkeiten.

Die Inszenierung, die Theater Sonnevanck (Enschede) in Zusammenarbeit mit Theater Oostpool (Arnheim) aus diesem Text gemacht haben, hat in Holland die ‚Goldene Krekel‘ gewonnen, den Preis für das beste Stück aus Holland und Belgien. Ein paar Sätze der Jury wollen wir hier gerne zitieren: “Ein ungreifbarer Eindringling bringt feste Strukturen ziemlich durcheinander und verschwindet genauso schnell, wie er aufgetaucht ist. Sein Erscheinen wirkt gleichsam entfesselnd wie heilsam. In ‚Bromance‘  erzielt dieses Muster eine überraschend frische Wirkung. Das Dreierverhältnis kriecht unter die Haut, um da ebenso gemein zu jucken wie sanft zu strahlen”. Wir hätten es nicht besser sagen können!                      
Nachdem wir ihn vorgestellt haben,  wird jetzt der Text auch preisgekrönt. Zu Recht!
                   

 

Robinson  Meine Insel gehört mir – Raoul Biltgen (A)                                                                                               10+

Ein Mann erzählt einen Witz, um ihn sofort danach zu hinterfragen.  „Der ist aber nicht lustig. Na ja, der ist ein bisschen lustig, so lange man nicht weiter darüber nachdenkt….“

Ausgehend von dem Topos der Robinsonade entwickelt der Autor zunächst ein an die Zuschauer adressiertes Selbstgespräch, in dem er seine Situation reflektiert: Der auf der Karibik-Insel  angeschwemmte Schiffbrüchige ist mit dem Leben davon gekommen, richtet sich in der Einöde ein und wartet auf Rettung.  Die Insel war ganz umsonst, ein Geschenk des Himmels sozusagen, und er beginnt nun, sie sich zu eigen zu machen. Nach und nach beschafft er sich alles, was er braucht:

Eine Hose, ein Hemd, ein Messer, ein Dach über dem Kopf, eine Ziege, einen Garten mit 3 Apfelbäumen, (nächstes Jahr sind es vier!), eine Flöte mit 3 Tönen, (nächstes Jahr sind es vier!), eine Decke, eine zweite Hose, einen Regenschirm, einen Hut, einen Sonnenschirm, einen anderen Hut…

Ich bin der „Herr meiner Welt.“ Indem er diese selbstzufriedene Bilanz zieht, geht dem Helden unserer Geschichte aber gleichzeitig die Gefahr auf, die jedem Besitz innewohnt: die Gefahr des Verlustes! Also muss ein Zaun her,  denn es könnte ja jemand kommen und ihm alles wegnehmen! Hoch muss der Zaun sein und ohne Tür. „Das hat etwas mit Sicherheit zu tun….“

Während der Mann seinen Besitz und dessen Absicherung ständig optimiert, wächst seine Angst , vor möglichen Eindringlingen, bis ein solcher tatsächlich vor ihm steht:  Freitag erscheint erst nach fast der Hälfte des Textes, steht plötzlich wortlos da und wird zunächst mit Anschuldigungen überhäuft, einen gewaltsamen Angriff auf den Herrn der Insel im Schilde zu führen. Die Beteuerungen des Mannes, lediglich gestrandet zu sein, während er seine Heimat auf der Flucht vor Kannibalen über das Meer verlassen musste, werden ihm nicht geglaubt. Dass auch Robinson „seine“ Insel einmal aus einer ähnlichen Not heraus gefunden und als Rettung angenommen hat, will dieser nicht mehr wahrhaben. „Ich war zuerst da!“, heißt die Rechtfertigung seiner Vormachtstellung. Auch rutscht ihm unversehens die sattsam missbrauchte Formel „Ich bin das Volk“ heraus und entlarvt ganz nebenbei  die Engstirnigkeit seiner Gesinnungsgenossen.

Freitag ist – anders als in der berühmten Roman- Vorlage – mit seinem Gegenüber geistig auf Augenhöhe. Eine Annäherung  geschieht  über die allmähliche Einsicht Robinsons, dass die beiden einander nützlich sein könnten. Und über das gemeinsame Lachen über den abschließenden Witz: „Zwei Männer leben auf einer einsamen Insel. Kommt eine Fee und sagt: Ihr habt jeder einen Wunsch frei. Sagt der eine: Ich will wieder nach Hause. Und schwupp – ist er weg. Sagt der andere: Jetzt bin ich ganz allein, ich wünsch mir den anderen wieder her!“

„Robinson“ ist eine wundervoll kluge gesellschaftskritische Parabel  über Angstdenken in Bezug auf das Fremde. Die betont lockere Sprache erinnert an den Plauderton einer Stand-Up-Comedy  und vermeidet alles Moralisierende. Stattdessen wird hier mit Intelligenz und Humor  auf sehr unterhaltsame Weise zu einem der brennendsten Probleme unserer Zeit Stellung bezogen.

 

 

Bromance - Joachim Robbrecht (NL)                                                                                      (12+)

Twee vrienden van het platteland, praten over meiden en neuken en overschreeuwen zichzelf nogal. Dan komt er een jongen uit de grote stad in het dorp en hij neemt een aantal ‘vrije gedachten’ mee. De drie jongens worden vrienden en gaan op vakantie naar Polen. Daar ontstaat tussen ‘de nieuwe’ en een van de gezworen vrienden een romance, mét sex.
Een op het oog eenvoudig verhaaltje -drie jongens verhandelen puberthema’s- verwordt tot een geraffineerd spel middels deze sprankelende tekst. Vriendschap, solidariteit, meisjes -natuurlijk- , homo zijn -ja ook-, sex, bravoure, omgaan met tedere én heftige emoties; het krijgt allemaal een gelijkwaardige plek. 
Door snelle, korte en rake dialogen met veel herhalingen op te voeren, lukt het de schrijver de dynamische wereld van drie jonge mannen Tim, Bo en Jonas op de vierkante meter te (her-)scheppen. Zijn taal ís licht, maar voelt ‘dicht op de huid’. Het tempo is hoog, de scenes kort en bondig. Dat maakt dat heikele thema’s als bijvoorbeeld homosexualiteit juist voorbij razen, speels aangestipt worden en nergens een belerend vingertje krijgen. Enkel op het eind, wanneer geweld tegen homo’s langskomt, lijkt het daar even op. Maar het is danook voorstelbaar dat een dergelijke tekst voor een jongerenpubliek toch ook ergens normerend gedrag moet bedienen. Want in deze tijd is het jammergenoeg nog steeds niet vanzelfsprekend dit onderwerp te behandelen, zonder botte vooroordelen en vooropgezette meningen weg te laten

Bromance is kortom ‘een tragie-komedie over ontluikende liefde’ met een prettige dubbele laag. De afstand van de schrijver tot de jongerentaal maakt dat het enerzijds grappig en stereotiep werkt, maar tegelijkertijd de jongens serieus neemt in hoe zij hun bestaan ervaren en verwoorden. Een heerlijke mix van de voeten in de aarde vanuit het ‘dorp’ en de vrije fantasieën uit de ‘grote stad met haar onbegrensde dromen en mogelijkheden. 

De voorstelling Bromance van Theater Sonnevanck in samenwerking met Theater Oostpool, heeft in Nederland de belangrijkste prijs voor kinder- en jeugdtheater ‘De gouden krekel’ gewonnen. Een paar zinnen uit dat juryrapport willen we u niet onthouden: “ Een ongrijpbare indringer ontregelt bestaande sociale structuren en verdwijnt even plots als hij opduikt; zijn komst werkt splijtend alsook helend. In Bromance krijgt deze vertrouwde vorm een verrassend pittige uitwerking: de heftige driehoeksverhouding vol bravoure kruipt stiekem onder je huid, om daar venijnig te jeuken als ook zacht te strelen." We hadden het niet beter kunnen zeggen.                                                                         
Na de voorstelling wordt nu dus ook de tekst gelauwerd. Terecht!                                         

 

 

Preisträger 2016

Im Rahmen des Festivals „Kaas & Kappes“ wurden am Sonntag, 21.02.2016, im Duisburger Kinder- und Jugendtheater KOM’MA die Preisträger des 18. niederländisch-deutschen Kinder- und Jugenddramatikerpreises bekannt gegeben.

Der Kulturdezernent der Stadt Duisburg – Thomas Krützberg - überreichte die Preise im Gesamtwert von 7.500 EUR für zwei Theaterstücke.

Von den 108 Texten, die in diesem Jahr aus sechs verschiedenen Ländern (Deutschland (76), den Niederlanden (12), Belgien (5), Österreich (10), der Schweiz (4), und Polen (1) ) am Wettbewerb teilnahmen, wählte die vierköpfige Jury, bestehend aus Silvia Andringa (NL), Renate Frisch (D), Rob Vriens (NL) und Till Beckmann (D), folgende Preisträger aus:

 

Anna Carlier (B)

für das Stück

„KRUIN“

 

€ 3.750

Daniel Ratthei (D) 

für das Stück

„Jihad Baby!“

€ 3.750

Neben den Preisträgern empfiehlt die Jury folgende Texte und hat sie in den Stückepool aufgenommen: 

 

Jens Raschke  (D) 

mit dem Stück 

„Ich bin Kain“

 

Ute Bierbaum (D) 

mit dem Stück 

„HASEN-BLUES.STOP.

 

Dimitri Verhulst  (B) 

 

mit dem Stück 

„KONIJN MET PRUIMEN“ 

Michael Alexander Müller  (D) 

 

Ad de Bont

mit dem Stück 

 

mit dem Stück

„PRINZENPACK“

 

„Lügen“

 

Reineke van Hooreweghe (B

 

mit dem Stück 

„GROTE HOOFDEN KLEINE HAARTJES“  

Heleen Verburg  (NL)

Eva Rottmann (D)

Thilo Reffert (D)

Martin Baltscheit (D)

Sergej Gößner (D)

mit dem Stück 

mit dem Stüc

mit dem Stück

mit dem Stückl

mit dem Stück

„Higher Selfie

 “ POCAHONTAS (Show must go on)““

“Ronny von Welt”

“Keine Party für den Tiger”

„MONGOS“

  

Informationen über die Jurymitglieder 2016:

SilviA Andringa (NL) – Regisseurin - Amsterdam

Renate Frisch (D) – Mitbegründerin des KOM’MA-Theaters, Regisseurin - Duisburg

Rob Vriens (NL) – Freier Regisseur, u.a. Theaterhaus Frankfurt

Till Beckmann (D) – Autor und Schauspieler - Bochum

 

Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an die Festivalleitung (Helmuth Hensen), Tel.: 0203.283-8485 oder –8486, info@kaasundkappes.de

 

 

hier die Begründungen der Jury:

 

Kruin             von Anna Carlier (B)

 

Bos, Fep, Lis, Rak und Drop sind Kinder. Sie haben es gut. Sie wohnen in ihrem Kinderdorf mit Rosensträuchern und spielen jeden Tag ‘Heute’. Sie tummeln sich, rennen, spielen, essen, bauen was auf und machen es wieder kaputt und das alles, ohne einander zu beurteilen oder an morgen zu denken. Lis erzählt ihre Träume, Fep kümmert sich um irgendwas, Rak rennt in den Regen, Drop ist immer Letzter und Bos baut im Dorf einen Turm, um über die Bäume hinweg und zu den Wolken hoch gucken zu können. Damit haben sie gute Aussichten.

Dann taucht plötzlich und unerwartet eine neue Figur auf: der ‘unfassbare Mann’, der doppelt so groß ist wie die Kinder. Dieser Mann hat einen Koffer dabei voller wichtiger Aussagen und komplizierter Worte. Seine Sprache und seine Erscheinung wirken wie ein grober Überfall. Er kontrolliert, warnt und spricht in konstruierten Sätzen mit unverständlichem und raumgreifendem Inhalt. Er stellt sein Zelt mitten im Dorf auf, um die Kinder beobachten zu können. Eine Aneinanderreihung von  Warnungen und Beschwörungen von Gefahren über alles, was ‘schief laufen kann in der Zukunft’, dringt in die paradiesische Welt der Kinder ein. Der Mann sagt: “Da ist immer mehr. Du musst weiter schauen. Die Welt hält nicht an bei den Spitzen der Bäume.”

Das Spiel der Kinder ist zerstört und sie verstehen einander nicht mehr wie vorher. Verwirrung, Ärger und Sorgen über Morgen werden Teil ihres Alltags. Rak rebelliert und rennt davon. Das hat er noch nie gemacht. Dann verschwindet der Mann und hinterlässt einen leeren Koffer. Die Kinder suchen Rak. Als sie ihn gefunden haben, beschließen sie, dass sie nicht anders können als weitermachen wie zuvor. Und einfach mal zu schauen,  wohin das führt.

Kruin nimmt dich mit in eine Kinderwelt, die bei kleinen und großen Zuschauern eine Sehnsucht erwecken wird mitzumachen. Die Dialoge sind rhythmisch, musikalisch, voller Wortwitz und Gedankenspinnerei. Das Stück hat eine  sehr eigene augenscheinlich einfache Sprache und ist geschrieben mit Leichtigkeit und Humor.

Dennoch ist es ein tiefsinniger Text über den Spaß des freien Spiels und über das immer ‘im Hier und Jetzt Sein’, wie es Kindern möglich ist, wenn die Erwachsenen sich heraushalten. Für Kinder bietet Kruin viel Wiedererkennbares und Raum für  Assoziation. Für Erwachsene reflektiert das Stück das Verhältnis zu den eigenen Erinnerungen, den Prozess des Zusammenlebens und die Art des Nachvorneschauens.

Kruin lässt dich laut lachen und hat einen angenehm anarchistischen Ton. Ein überraschender Text von einer sehr jungen Autorin, die ein Universum schafft, in dem wir die Welt, die wir kennen, mit anderen Augen anschauen können.

 

 

Bos, Fep, Lis, Rak en Drop zijn vijf kinderen. Zij hebben het goed samen. Ze wonen in hun kinderdorp met rozenstruiken en spelen elke dag ‘vandaag’. De kinderen bouwen, rennen, spelen, eten, rommelen, tuigen op, breken af en doen dat zonder elkaar te beoordelen of bezig te zijn met de dag van morgen. Lis vertelt van haar dromen, Fep verzorgt, Rak rent voor de regen, Drop is meestal de laatste en Bos bouwt in het dorp een toren om de kruinen van de bomen en de wolken daarboven te kunnen zien. Daarmee hebben zij uitzicht genoeg.

Dan duikt er onverwacht een geheel nieuwe figuur op. De onbegrijpelijke man, die dubbel zo lang is als de kinderen. Deze man heeft een koffer vol belangrijke bepalingen en moeilijke woorden bij zich en zijn taal en verschijning zijn als een ruwe overval. Hij komt controleren, waarschuwen en spreekt in geconstrueerde zinnen met een onbegrijpelijke en verontrustende inhoud. De onbegrijpelijke man zet een tent op in het midden van het dorp om de kinderen in het oog te kunnen houden. Een stroom aan waarschuwingen, bepalingen en gevaren over ‘wat er allemaal onduidelijk geregeld is en in de toekomst mis kan gaan’, dringt de paradijselijke wereld van de kinderen binnen. De man zegt: “Er is altijd meer. Je moet verder kijken. De wereld stopt niet aan de kruinen.”

Het spel van de kinderen is verstoord en zij begrijpen elkaar niet meer als voorheen. Verwarring, ergernis en zorgen over morgen worden deel van vandaag. Rak komt in opstand en rent weg. In de nacht. Dat heeft hij nog nooit gedaan. De man verdwijnt en laat alleen een lege koffer achter. De kinderen besluiten Rak te zoeken door net als hij te rennen voor de regen. Als Rak weer gevonden is, besluiten zij dat ze niet anders kunnen doen dan ‘verder gaan’. En maar zien waar ze uitkomen.

Kruin neemt je mee in een kinderwereld, die veel kleine en grote toeschouwers zal doen verlangen om er deel van uit te maken. Het heeft een hele eigen, ogenschijnlijk eenvoudige taal en is met veel lichtheid en humor geschreven. De dialogen zijn ritmisch, muzikaal en zitten vol woordgrappen en gedachtenspinsels.

Een gelaagde tekst over het plezier van vrijuit spelen en ‘in het hier en nu zijn’, zoals kinderen dat kunnen wanneer de volwassenen zich er buiten houden. Voor een kinderpubliek is Kruin herkenbaar en zal veel ruimte bieden voor associatie. Voor een volwassenpubliek reflecteert het stuk op de verhouding met diezelfde associatieve kinderwereld van ‘het hier en nu’ en de eigen ervaringen in het ingewikkelde proces van samenleven en vooruitkijken.

Kruin doet je als lezer hardop lachen en er zit een vrolijke en licht anarchistische kern in verborgen. Een verrassende tekst van een jonge schrijfster die een universum weet te scheppen waarin we de wereld zoals wij die kennen, met andere ogen gaan bekijken en bevragen.

 

 

Jihad Baby!              von Daniel Ratthei (D)

Einer dieser Glückstreffer! Man sieht zuerst: „ Ein Monologstück für Jugendliche“ im Untertitel , zählt: 55 Seiten!  Und denkt: „ Oh, nein! Bitte nicht!!!!“ Aber sobald man angefangen hat zu lesen, möchte man es nicht mehr aus der Hand legen!                „Assalaamu a’leikum! Friede sei mit euch!!....Und der selige Kreis des Friedens, der Liebe, der Verbundenheit leuchtet zur selben Stunde!“ Mit einer wundervollen Friedensbotschaft, die zeitgemäß per Videopost an unseren Protagonisten geht, beginnt dieser Überraschungstext. An Jona, den 16jährigen Schüler einer deutschen Gesamtschule, der von dem „Mainstreamscheiß“ seiner Eltern und Lehrer und den „gehirngewaschenen Verdummungsstorys“ der Medien die Schnauze voll hat und sich stattdessen von den coolen Moslems beeindrucken lässt, die sich nicht unterkriegen lassen und sich wehren! Und alle haben Schiss vor denen! Das imponiert Jona! Davor hat er Respekt.

Die deutsche Realität  dagegen wird für ihn repräsentiert  durch die „Alkies, Junkies, Penner, Harz4-Mütter und dem vollkommen deformierten Rest“, den er hinter dem Bahnhof antrifft:  „Volltrottel, nix in der Birne, nix im Portemonnaie. Aber hetzen gegen Männer mit Bart!“ Neben dem Bahnhof ist der Drogen-Park mit dem Babystrich, die „Tussen“ nicht älter als Jona. In all dem Elend erscheint ihm die Fatih-Moschee als „Insel der Rettung“.                  Von Musa, seinem arabischen Klassenkameraden und dessen Brüdern fühlt er sich nämlich mit Respekt behandelt. Und dass der ihn ständig auffordert zu konvertieren ( „Ey Alter, du bist ein Muslim, Mann, das sehe ich!“), das schmeichelt ihm. Die Kopftücher der Mädels findet er hübsch, die Bärte findet er cool. Obwohl, da gibt es noch ein kleines Problem: Sein Bart will noch nicht so recht wachsen, oder, wie er es ausdrückt: „Sein Bartwuchs hat ‘ne Religionsphobie…!“

Mit dem Pragmatismus seiner Generation und entwaffnender Komik betrachtet Jona seine Lebensumstände und gibt uns einen ungeschminkten Einblick in sein Innenleben. Von außen ist leicht zu analysieren: unvoreingenommen und schutzlos ist dieser Junge den  Botschaften der Verführer genauso ausgeliefert wie einem attraktiven Drogentrip.                                Spannend wird die Geschichte, als er in zugedröhntem Zustand die Tochter seines Lehrers kennenlernt und sich Hals über Kopf in sie verliebt! Ab jetzt versucht er verzweifelt seine Konvertierungspläne mit seinen Liebesphantasien in Einklang zu bringen.                      Wie verhängnisvoll sich Jonas Kontakte zur Islamistenszene zuspitzen, sieht der Zuschauer spätestens, als er im Auftrag von Kreshnik, (von dem die Jungs ehrfürchtig munkeln, dass „der schon in Syrien war!“), ein Nachtsichtgerät aus einem Waffenladen besorgen soll. Ihm ist dabei sehr mulmig, er bräuchte einen Berater, aber wem soll er sich anvertrauen? Und so rutscht er auf die schiefe Bahn…..

„Jihad Baby!“ bezieht beherzt Stellung zu dem Thema unserer Zeit.  Es ist ein gleichermaßen komisches wie ergreifendes Plädoyer dafür, Jugendliche ernst zu nehmen und achtsam zu begleiten. Es zeichnet sich durch glaubhafte Nähe und empathische Kenntnis des aktuellen jugendlichen Zeitgeistes aus und unterhält trotz kluger unterschwelliger Aufklärung sein junges Publikum aufs Beste.

 

 

 

 

Preisträger 2015

Im Rahmen des Festivals „Kaas & Kappes“ wurden heute, am 22.02.2015, im Duisburger Kinder- und Jugendtheater KOM’MA die Preisträger des 17. niederländisch-deutschen Kinder- und Jugenddramatikerpreises bekannt gegeben.

Der Oberbürgermeister der Stadt Duisburg, Herr Sören Link, überreichte die Preise im Gesamtwert von 7.500 EUR für drei Theaterstücke. 

Von den 123 Texten, die in diesem Jahr aus sechs verschiedenen Ländern (Deutschland (96), den Niederlanden (6), Belgien (8), Österreich (10), der Schweiz (2) und Luxemburg (1) ) eingesandt wurden, wählte die vierköpfige Jury, bestehend aus Chiara Tissen (NL), Renate Frisch (D), Rob Vriens (NL) und Till Beckmann (D), folgende Preisträger aus:

Herman van de Wijdeven (B)

für das Stück

„Billy de Kid“

 

€ 3.000

Jan Sobrie und Raven Ruëll (B) 

für das Stück

„BEKDICHTZITSTIL“
(dt.: “HALTSMAULSITZ”)

€ 2.500

Maja Das Gupta (D)

für das Stück

„DIE DÜNNE DICKE FRAU“

€ 2.000

   

Neben den Preisträgern empfiehlt die Jury folgende Texte und hat sie in den Stückepool aufgenommen: 

Moniek Merkx  (NL) 

mit dem Stück 

„Het verhaal van de getallen“ 
(dt: „Die Geschichte von den Zahlen“) 

Tilla Lingenberg  (D) 

mit dem Stück 

„Die Sache mit Luk“ 

Henriette Dushe  (D) 

mit dem Stück 

„VON DER LANGEN REISE AUF EINER HEUTE ÜBERHAUPT NICHT MEHR WEITEN STRECKE“ 

Helmuth Hensen  (D) 

mit dem Stück 

„Fünfer Raus“ 

Freek Mariën (B) 

mit dem Stück 

„Wachten en andere heldendaden“ 

 (dt: „Wachen und andere Heldenstücke“) 

Anita Hansemann  (CH)

mit dem Stück 

„Glut“

  

Informationen über die Jurymitglieder 2015:

Chiara Tissen (NL) – Autorin, Schauspielerin und Deutschlehrerin (Amsterdam)

Renate Frisch (D) – Mitbegründerin des KOM'MA-Theaters und Regisseurin (Duisburg)

Rob Vriens (NL) – Freier Regisseur, u.a. Theaterhaus-Ensemble Frankfurt (Amsterdam)

Till Beckmann (D) – Autor und Schauspieler  (Bochum)

 

Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an die Festivalleitung (Helmuth Hensen), Tel.: 0203.283-8485 oder –8486, info@kaasundkappes.de

 

hier die Begründungen der Jury:

 

Billy the Kid von Herman van de Wijdeven

Der junge „Billy the Kid“ hat im langweiligen flämischen Dorf Zoetwater (Süsswasser) eine Bank überfallen und das Mädchen Lucy als Geisel genommen. Lucy ist froh, dass endlich mal was passiert in ihrem Dorf und sie hofft auf eine echte Wildwest- Geschichte. Die Forderung von Billy  ist einfach: Er will sich mit Erp, dem Sheriff des Dorfes duellieren.  Im Verlauf des folgenden Streites entpuppen sich Erps schmutzige Pläne, denn der hat es auf Billys Mutter abgesehen und will unter dem Vorwand  der Gerechtigkeit Billy, deren lästigen Sohn loswerden. Erps Absichten werden entlarvt und es stellt sich heraus, dass die Mutter auch nur ein Mensch ist. Unter dem von Billy vorgegaukelten Heldenmut gärt in Wahrheit sein Kummer über den Verlust seines Vaters, der die Familie sitzen gelassen hat. Lucy, das naseweise Mädel, das alles haarklein wissen will, gibt Erp letztendlich den Gnadenstoß, und er bekommt am Ende, was er verdient.

In einer klaren, sehr bildhaften Sprache skizziert  Herman van de Wijdeven die Wut und den Kummer eines Jungens, dessen Eltern geschieden sind.  In diesem im konsequent ironischen Stil geschriebenen Stück sind die Szenen und Dialoge scharf und witzig. Die Personen sind keine Helden, sondern Menschen aus Fleisch und Blut, die dem Leben humorvoll und nüchtern, aber nicht ohne Eigennutz entgegentreten. Die Mutter möchte eigentlich lieber eine Tochter haben, und sie will, dass die Leere in ihrem Bett wieder gefüllt wird. Der Sheriff hasst Kinder und sucht eine Frau, die ihm seine Socken wäscht, und Lucy will absolut nichts verpassen. Und Billy.  Billy sagt letztendlich über seinen Vater: ich verstehe es nicht, Mutti, ich bin ihm so böse, so wütend und trotzdem vermiss ich ihn.

 

 

De jonge Billy de Kid heeft in het doodsaaie vlaamse dorpje Zoetwater een bank overvallen. Daar houdt hij het meisje Lucy gegijzeld. Lucy is blij dat er eindelijk iets gebeurt  en hoopt op een echt wildwest verhaal. De eis van Billy de Kid is eenvoudig: hij wil een duel met Erp, de sherrif van het dorp.  In plaats daarvan krijgt hij een inkijkje in diens voze plannen om Billy’s moeder voor zich in te palmen. Een strijd tussen de twee cowboys volgt, waarin Erp ontmaskert wordt en de moeder ook maar een mens blijkt te zijn. Onder al deze heldhaftigheden kolkt het verdriet van Billy over het vertrek en het verlies van zijn vader. De tomeloos nieuwsgierige Lucy, die alles bij iedereen los weet te peuteren, zorgt uiteindelijk voor de genadestoot, waarbij Erp als de enige echte slechterik de klappen krijgt.

In heldere en zeer beeldende taal schetst Herman van de Wijdeven ons de woede en het verdriet van een jongen, wiens ouders gescheiden zijn.  In dit in een consequente ironische stijl geschreven stuk zijn de scenes en de dialogen scherp en grappig. De personages zijn geen helden, maar mensen van vlees en bloed, die het leven niet zonder eigenbelang  maar met nuchterheid en humor tegemoet treden. De moeder wil eigenlijk een dochter en ze wil dat de kuil in het matras naast haar wordt opgevuld, de sheriff haat kinderen en zoekt een vrouw die z’n sokken wast en Lucy wil niets missen van al wat er gebeurt. En Billy… Billy zegt uiteindelijk over zijn vader: ik versta het niet, mama, ik ben zo kwaad op hem, zo kokend kwaad en toch mis ik hem.

 

BEKDICHTZITSTIL:(deutsch: HALTSMAULSITZ) von Raven Ruëll und Jan Sobrie

 

Wir sehen drei Problemkinder, die zusammen in einer Problemklasse voll mit Problemfällen sitzen. Die Erwachsenen und Erzieher um die drei herum schauen sie immer mit Argwohn an. Ein Text wie Mitrailleurfeuer, der an keiner Stelle ermattet. Es ist dynamisch, voll und viel.

Haltsmaulsitz ist die Geschichte von Kraft und bedingungsloser Freundschaft. Die Kinder sind heftig und schön zugleich und ihre Geschichte ist rührend geschrieben. Der Text geht schnell unter die Haut und lässt dich nicht entwischen. 

Vorgegeben ist eine leere Fläche mit 3 Laternen. Sie beherbergt  die eigene chaotische Welt der Protagonisten. Chaos neben Stille. Feuer neben Eis. Sie füllen den Raum mit ihrem Geschrei und Sperrfeuer an Worten. Die drei, Damien, Francois und Rebecca saugen, schreien spucken ihre unangepassten Worte heraus, weil sie nicht anders können. Wer kann sie bezwingen? Müssen sie bezwungen werden? Unsere Antwort ist Nein. Die intensive Freundschaft bindet sie wie Eisen zusammen. Sie haben vieles erlitten, aber es gelingt ihnen, stolz und aufrecht zu bleiben. Sie fallen immer wieder, aber weil sie einander haben, und sich selbst, stehen sie auch immer wieder auf.

Hinter jedem unangepassten Benehmen liegt eine Welt an bitteren Erfahrungen. Der Text, den Regisseur Raven Ruëll in Zusammenarbeit mit Autor und Schauspieler Jan Sobrie geschrieben hat, wirkt äußerst persönlich und ist in seiner Kraft enorm ergreifend. 

Wie unangepasst du auch bist, überleben tust du nur, wenn du Vertrauen in dich selbst hast. Nur dann bleibst du aufrecht.

 

We zien drie probleemkinderen die samen in een probleemklas vol probleemgevallen zitten.  Door de volwassenen en begeleiders om hen heen immer argwanend bekeken. Een tekst die begint als een mitrailleurvuur en niet stil gaat liggen.

Bekdichtzitstil is een verhaal over de kracht van onvoorwaardelijke vriendschap. Het is heftig, mooi en ontroerend geschreven. De tekst gaat onder de huid zitten.

De drie spelen op een schuine lege vloer die hun chaotische wereld verbeeldt. Chaos uit stilte. Ruimte vanuit een spervuur aan woorden. De drie, Damien, Francois en Rebecca zuigen, tieren, spuwen hun ongemakkelijke woorden en onderwerpen genadeloos naar buiten. Wie houdt hen tegen? Het is een intense vriendschap van drie kinderen die het nodige meemaken/meegemaakt hebben, maar boven alles fier overeind blijven. Ze vallen hard, maar dankzij elkaar en zichzelf staan ze ook elke keer weer op.

De een is druk en wild, de ander gewelddadig en de derde minderbegaafd. Ze praten altijd. Te hard. Of te veel. Het zijn stuk voor stuk ‘moeilijke kinderen, maar in hun ruwheid en onbeholpenheid zijn ze menselijk, sterk, waarachtig, ontroerend en aandoenlijk. We zien een heel bataljon aan begripvolle therapeuten, egocentrische achterbakse farmaceuten, zenuwachtige schooldirecteuren en radeloze ouders de revue passeren. Bekdichtzitstil behandelt een veel besproken maar liefst verzwegen onderwerp vanuit de essentie. Het stuk brengt ‘moeilijk en onaangepast zijn’ terug tot een ruwe en aangrijpende essentie.

Achter elk onaangepast gedrag gaat een schrijnend verleden schuil. De tekst die regisseur Raven Ruëll in samenwerking met schrijver/acteur Jan Sobrie schreef is daarmee een persoonlijk pamflet en in zijn kracht ongelofelijk aangrijpend.

Hoe onaangepast je ook bent, overleven doe je met een rotsvast vertrouwen in jezelf, alleen dan blijf je overeind.

 

 

DIE DÜNNE DICKE FRAU von Maja Das Gupta

Schon im Titel wittert man Diskriminierung. Darf man das überhaupt sagen: „Die dicke Frau“? Oder ist das schon despektierlich, unhöflich, unpassend? Das Stück lässt seine Protagonisten unerschrocken mit unserer zwanghaften Angst spielen, immer und unter allen Umständen politisch korrekt sein zu wollen,  und befreit damit von einer überflüssigen Form, um der Klarheit des Inhalts willen. Es nimmt mit seiner amüsanten Geschichte deutlich Partei für die Schwächsten, die Opfer von komplizierten Verhältnissen werden.

Mitjas Mutter ist mit Miras Vater für ein Liebes-Wochenende nach Mallorca gefahren und hat den behinderten Jungen in der Obhut der minderjährigen Lisa gelassen. Durch Zufall kommt das raus und damit drohen den pflichtvergessenen Eltern Schwierigkeiten mit dem Jugendamt! Bis sie wieder da sind, wird den Kindern eine Fürsorgerin in die Wohnung gesetzt, an deren massiver Präsenz sich nun die große Schwester abarbeitet. Denn die Frau ist „eine fette Kuh“ und hat nach Lisas Ansicht in ihrem Zuhause nichts verloren. Die dicke Frau, die sich zudem noch 5 mal am Tag zum Beten zurückziehen muss, (obwohl sie gar kein Kopftuch trägt!), nimmt den Widerstand der ihr Anbefohlenen gelassen in Kauf und tut ihr Bestes. Kompliziert wird die Sache erst, als Mitja und Mira auf eigene Faust nach Mallorca wollen, um ihre Eltern dort zu suchen….Fast gerät in dieser turbulenten, mit viel Humor erzählten Geschichte ganz aus dem Blickfeld, worum es doch auch maßgeblich am Ende geht, nämlich die Tatsache, dass die vermeintliche große Schwester Lisa selbst ein Flüchtlingskind ist, dessen Aufenthaltsstatus noch gar nicht geklärt ist, und dem die Abschiebung droht.

 „Zuviel Probleme auf einmal!“ könnte man bei oberflächlicher Betrachtung  befürchten, und das hätte bei dem vorliegenden Plot auch ausarten können, wenn die Autorin nicht meisterhaft in der Lage wäre, mit kleiner Geste die jeweils wichtigen Umstände nach vorne zu schieben: Es geht um das Wohl der Kinder und darum, sie in ihrer subjektiven Einschätzung ihrer Wirklichkeit ernst zu nehmen. Wenn deren Intuition stimmt, dann werden die Formalitäten und Statusbeschreibungen der Erwachsenen unwichtig und die scheinbar ach so komplizierten Verhältnisse werden sonnenklar.

In einer dichten Sprache, mit herzerhebenden Dialogen und  stimmigen, die Sinne stimulierenden Bildern wird das Verhältnis von "Dick und Dünn" beleuchtet, einfühlsam und eindringlich. Und doch versteht man nicht alles. Das Thema ist nicht erledigt und das ist auch gut so. Es zeichnet gute Stücke aus, dass sich nicht zu leicht mit ihnen fertig werden lässt.

 

 

Preisträger 2014

Der Kulturdezernent der Stadt Duisburg, Herr Thomas Krützberg, überreichte die Preise im Gesamtwert von 7.500 EUR für zwei Theaterstücke. 

Von den 108 Texten, die in diesem Jahr aus sechs verschiedenen Ländern (Deutschland (63), den Niederlanden (16), Belgien (6), Österreich (19), der Schweiz (2), Luxemburg (1) und Italien (1) ) eingesandt wurden, wählte die vierköpfige Jury, bestehend aus Silvia Andringa (NL), Renate Frisch (D), Rob Vriens (NL) und Till Beckmann (D), folgende Preisträger aus:

Jens Raschke (D)

für das Stück 

„Was das Nashorn sah, als es auf die andere Seite des Zauns schaute“

 

4.500

Adam Roel  (NL) 

für das Stück:

                "Mensenvlees"   (dt.: “Menschenfleisch”)
gespielt durch die Toneelmakerij unter dem Titel "Verkocht" (dt: "Verkauft")

€ 3.000

  Neben den Preisträgern empfiehlt die Jury folgende Texte und hat sie in den Stückepool aufgenommen: 

Sofie Tseng  (NL) 

mit dem Stück 

„Andermansplantjes“ (dt.: "Jedermannspflänzchen")

Karen Köhler  (D) 

mit dem Stück 

„Deine Helden - meine Träume“ 

Jacob Nolte und Michel Decar  (D) 

mit dem Stück 

„Das Tierreich" 

Christian Schönfelder und Georg Ringsgwandl  (D) 

mit dem Stück 

„Mein Bruder, der Räuber Kneißl“ 

Dirk Kurbjuweit und Petra Wüllenweber  (D) 

mit dem Stück 

„Zweier ohne“ 

Daniela Dröscher  (D)

mit dem Stück 

„Alle, die uns kennen“

Ludger Haumann  (D)

mit dem Stück 

„Amok“
Floris van Delft und 
Wolter Muller 
(NL)

mit dem Stück 

„Cash“

Ruth Johanna Benrath  (D) 

mit dem Stück 

„Ich Gülsum du Häschen"
 

Alice Quadflieg (D) mit dem Stück „Stadt Land Baum
"

  

Informationen über die Jurymitglieder 2014:

Silvia Andringa (NL) – Freie Regisseuerin, künstl. Leitung des Festivals „Halbstark“ in Münster

Renate Frisch (D) – Mitbegründerin des KOM'MA-Theaters und Regisseurin

Rob Vriens (NL) – Freier Regisseur, u.a. Theaterhaus-Ensemble Frankfurt

Till Beckmann (D) – Autor und Schauspieler

 

Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an die Festivalleitung (Helmuth Hensen), Tel.: 0203.283-8485 oder –8486, info@kaasundkappes.de

 

hier die Begründungen der Jury:

 

Was das Nashorn sah, als es auf die andere Seite des Zaunes schaute           von Jens Raschke

Es gab einen Zoo in Buchenwald, direkt vor dem Zaun des KZs. Mit dieser Information führt Jens Raschke in das Stück ein, um sich dann aus der Perspektive der Tiere die unfassbare Situation anzuschauen, eben „über den Zaun“ zu blicken.  Zusammen mit den Tieren, die gewohnt witzig und possierlich  wie in allen anderen Tierstücken daherkommen, schauen die Kinder im Publikum sich die unglaublichen Vorgänge an. Und so selbstverständlich und beiläufig, wie früher „unwertes“ Leben getötet wurde, so beiläufig fallen auch hier einige von den „Gestreiften“ Häftlingen der Willkür ihrer Machthaber zum Opfer. Dies geschieht so unspektakulär, dass man kaum Zeit findet, sich darüber zu entsetzen. Gemeinsam mit den Tieren beginnt stattdessen der Versuch, die Vorgänge zu verstehen und sich die Folgen verschiedener Reaktionen darauf  auszumalen.
Der Autor weist im Vorwort darauf hin, dass es für ihn kein Stück über das Konzentrationslager Buchenwald ist, sondern ein Stück über die Frage: Bär oder Pavian.
Der Pavian verkörpert den Durchschnitts-Menschen, den Egoisten, der sich mit der Beteuerung ruhigstellt, dass es ihm gutgeht, solange er nicht Partei ergreift, solange er wegschaut, wenn Unrecht passiert, der jeden Warner in seinem Umkreis am liebsten aus dem Weg räumen möchte, der sich mit den Mächtigen gemein macht.
Der Bär ist ein Mitleidender, ein Denker, einer, den das Unrecht nicht kalt lässt, der mehr darüber wissen will, der wissen will, warum es keine Vögel mehr gibt, einer, dem die Mächtigen egal sind, einer, der den Schornstein unter Einsatz seines Lebens zum Einsturz bringt, der das Bärenmögliche tut, um die unmenschliche Situation zu beenden.
Zwischen beiden müssen die anderen Tiere und die jungen Zuschauer sich entscheiden. Der Pavian beschwört die anderen: Haltet euch raus, das geht uns nichts an. Der Bär konfrontiert mit seinem Bestreben, den Dingen auf den Grund zu gehen und sich einzumischen und geht dabei drauf. 
Was das Nashorn aber sah, woran es so traurig wurde, dass sein Herz aufhörte zu schlagen, das waren die Folgen der Unmenschlichkeit: Dass Familien auseinander gerissen wurden, dass Kinder ohne ihre Mütter herumirrten, dass Kreaturen mit Gewalt eingefangen und geschunden wurden, das sieht das Nashorn in seiner nächtlichen Vision in einem poetischen Bild und geht daran zugrunde.
Es ist die Frage, ob Kinder über dieses erschütternde Kapitel des Menschseins informiert werden sollten, ob sie etwas davon wissen sollten, und natürlich nimmt Raschke deutlich Stellung dazu. Ja, Kinder müssen sich damit beschäftigen, denn auch und vor allem waren Kinder die Opfer dieser Unmenschlichkeit, sei es, dass sie selbst den Schergen zum Opfer fielen oder dass sie ihrerseits zu mitleidlosen Tätern erzogen wurden. 
Auch im Text spielen Kinder eine Rolle, die Kinder der Tiere und die der „Gestiefelten“. Dabei  werden die Nazi-Kinder mit Seitenscheitel, Zöpfen, oder Braunhemd geschickt historisch apostrophiert und grenzen  sich so ohne Aufhebens von den Kindern im Zuschauerraum ab. 
Um dieses schwerste Thema für seine Zielgruppe aufzubereiten, arbeitet der Autor unter anderem mit Humor und einer leichten, eleganten Sprache, er entwirft z.T. putzige, ja geradezu komische Bilder. Er zeichnet vor allem die Absurdität der historischen Situation nach, die in Wirklichkeit schon nicht zu steigern war und über die man lachen müsste, wäre es nicht so grauenhaft.
So schafft Jens Raschke mit seinem Werk einen äußerst ungewöhnlichen Beitrag zu der zutiefst pädagogischen Frage, was wir Kindern zumuten wollen, das Totschweigen einer schlimmen Wirklichkeit oder die Aufklärung darüber.

Das Stück ist im Theaterstückverlag erschienen. Die deutsche Uraufführung findet am 30. April 2015 im Nationaltheater Weimar statt.

 

Mensenvlees   (Menschenfleisch) von Roel Adam

In “Mensenvlees” ist der junge Thai Mini-Mini auf der Suche nach seiner Schwester Nok, die sich Destiny nennt und kurz nach ihrem 14. Geburtstag von ihrem Vater verkauft wurde, um eine Krankenhausrechnung zu bezahlen. Ihre Spur der erzwungenen Prostitution führt ihn zu einer alten Fabrik, deren Besitzerin Economia (Ökonomia) heißt. Da arbeitet sie als Sklavin  an ‘Produkten für den West-Markt’, zusammen mit einem gefesselten Neger, der den ehemaligen Aufseher getötet hat, und einer 300-jährigen afrikanisch-surinamischen Sklavin. Sie werden überwacht von einem Weißen, Starek, der zwar gemein ist, aber mit eine Flasche Wodka gekauft werden kann. Economia ist dabei, eine Feier auszurichten;  der Anlass: “150 Jahre Abschaffung der Sklaverei”! Sie sieht die Menschen in ihrer Fabrik als nützliche Maschinen, die man wegwerfen kann, wenn man sie nicht mehr braucht.

Sowohl die moderne als auch die alte transatlantische Sklavernei werden in diesem beängstigenden Text inventiv und konfrontierend mit einander verbunden. Economias Grundsätze (von einem lebendigen Menschen kannst du nur eine Niere verkaufen, von einem toten zwei) sind so abscheulich wie grotesk und manchmal sogar lächerlich. Die alte Sklavin lebt in ihrer schrecklichen Vergangenheit, aber ist auch auffällig liebevoll. Sie steht für Schmerz, aber auch für Stolz und Vergebung. Der weiße Mann bemüht sich keine Empathie zu fühlen. Der schwarze Mann will Rache und nimmt sich mit Gewalt, was ihm genommen wurde. Aber wenn er mehr will, wird das für ihn ‘natürlich’ fatal. Und Economia? Sie ist schlau, unerschlagbar und sitzt immer am längeren Hebel. Die Hoffnung des Textes liegt in den beiden Kindern. die letztendlich entkommen. Sie kehren nicht mehr zurück in ihr ehemaliges Dorf (was es nicht mehr gibt), sind aber zufrieden mit ihrer Flüchtlingsunterkunft und einer Arbeit -  auf der Müllkippe.

Wenn die Schauspieler/Figuren überlegen, ob diese Geschichten für ein junges Publikum geeignet sind, gibt die Aussage ‘Niemand ist zu jung für die Wahrheit’ dem Stück allemale Recht. Es setzt sich auf sehr klare und unerschrockene Weise mit dem Problem auseinander, wie eingeschränkt der Begriff Freiheit eigentlich ist. Und doch ist es in all seiner Härte ein humorvollerText,  der sich liest wie eine spannende Geschichte. Die Dialoge sind spitzfindig, die Rollen prägnant und die Sprache ist eingängig. Besonders klug und beeindruckend ist, dass ‘Mensenvlees’ ein großes Spektrum an wichtigen Themen anspricht, ohne dass es pädagogisch oder demagogisch wird.

Der Text nimmt zu einer Frage sehr deutlich Stellung: Es gibt keine Hoffung für die großen Probleme der Welt, solange der Eigennutz dominiert. Globale ökonomische Interessen und Profitstreben führen weltweit zu Formen von Sklaverei, deren Opfer Erwachsene und Kinder werden.

Und damit ist ‘Mensenvlees’ in seiner komplexen Vielfalt erschütternd aktuell.

 

Mensenvlees van Roel Adam

In Mensenvlees is de Thaise jongen Mini-Mini op zoek naar zijn zus Nok, die zich inmiddels Destiny noemt en vlak na haar 14e verjaardag door hun vader werd verkocht om een ziekenhuisrekening te betalen. Hij volgt haar spoor van gedwongen prostitutie, wat hem tot in een oude fabriek brengt, waar de eigenaresse Economia heet. Daar werkt zijn zusje als een slaaf aan ‘producten voor de Westerse markt’, samen met een geketende neger die de vorige wrede opzichter heeft gedood én een Afrikaans-Surinaamse slavin van 300 jaar oud. Zij worden bewaakt door de blanke Starek, die wreed is, maar die je wel met een fles Wodka kunt omkopen. Economia heeft reden tot een (beschaafd) feestje wegens de herdenking van 150 jaar afschaffing van de slavernij. Zij ziet de mensen in haar fabriek niet als slaven, maar als bruikbare machines die je weg kunt gooien als ze versleten zijn. 

Zowel de moderne- als de vroegere trans-Atlantische slavernij zijn in deze beangstigende tekst op inventieve, spannende en confronterende manier met elkaar verbonden. De mores van Economia is even gruwelijk (van een levend mens kan je maar één nier verkopen, van een dode twee) als grotesk en zelfs lachwekkend. De oude slavin leeft in haar vreselijk verleden, maar is daarnaast ook opvallend liefdevol. Zij vertegenwoordigt naast de pijn ook trots en vergeving. De witte man doet zijn best om geen enkele empathie te voelen voor de mensen om hem heen. De zwarte man zint op wraak en pakt met geweld wat hem ontnomen is. Maar wanneer hij meer wil, wordt hem dat ‘natuurlijk’ fataal. En Economia… zij is gewiekst, onverslaanbaar en trekt altijd aan het langste eind. De hoop van de tekst zit in de kinderen, die uiteindelijk ontsnappen. Al keren ze niet terug naar hun lieflijk Thaise dorp dat allang niet meer bestaat. Zij zijn tevreden in een opvanghuis en met werk… op een vuilnisbelt. 

Wanneer de acteurs/personages overleggen of zij hun verhalen wel kunnen vertellen aan het (kinder-)publiek, doet de uitspraak ‘Niemand is te jong voor de waarheid’ het stuk alle recht. Het zet op brutale en glasheldere manier uiteen hoe beperkt het begrip ‘vrijheid’ eigenlijk is. Toch is het -in al haar hardheid- ook een tekst met humor die leest als een spannend verhaal waarvan je wil weten hoe het afloopt. De dialogen zijn spits, de personages herkenbaar en de taal zeer toegankelijk. Bijzonder knap en indrukwekkend is dat Mensenvlees een waaier aan grote en belangwekkende thema’s aansnijdt, zonder dat het pedagogisch of demagogisch wordt. 

De tekst is over één ding heel duidelijk: het is niet eenvoudig hoopvol te blijven als voor iedereen het eigenbelang voorop staat. Grote economische belangen en zelfverrijking, leiden wereldwijd tot allerlei vormen van slavernij, waarvan zowel volwassenen als kinderen slachtoffer worden. En daarmee is Mensenvlees in zijn complexe veelheid, verpletterend actueel.

 

 

 

Preisträger 2013

Ad de Bont (NL)

für das Stück

"Mehmet de Veroveraar" (“Mehmet der Eroberer”)

 

€ 2.250

Esther Rölz (D)

für das Stück

„4YEO – FOR YOUR EYES ONLY“

€ 1.750

Anja Hilling (D)

für das Stück

„Was innen geht“

€ 1.750

Carsten Brandau (D)

für das Stück

„Dreier steht Kopf"

€ 1.750

Neben den Preisträgern empfiehlt die Jury folgende Texte und hat sie in den Stückepool aufgenommen:

Ulrich Hub (D)

mit dem Stück

„Animal Lounge oder Füchse haben kurze Beine“

Tim Sandweg (D)

mit dem Stück

„Die Meerjungfrau in der Badewanne“

Paul Verrept (B)

mit dem Stück

„Twee vrienden“ („Zwei Freunde“)

Theater miniart (D)

mit dem Stück

„Ännes letzte Reise“

Martin Baltscheit (D)

mit dem Stück

„Nur ein Ei“

Volker Ludwig (D)

mit dem Stück

„Pünktchen trifft Anton“

Shanna Chatterjee (NL)

mit dem Stück

„Vlinder" („Schmetterling“)

 

Informationen über die Jurymitglieder 2013:

Silvia Andringa (NL) – Freie Regisseuerin, künstl. Leitung des Festivals „Halbstark“ in Münster

Renate Frisch (D) – Mitbegründerin des ReibeKuchenTheaters und Regisseurin

Rob Vriens (NL) – Freier Regisseur, u.a. Theaterhaus-Ensemble Frankfurt

Ralph Förg (D) – Geschäftsführer des Filmhauses Frankfurt

Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an die Festivalleitung (Helmuth Hensen), Tel.: 0203.283-8485 oder –8486, info@kaasundkappes.de

hier die Begründungen der Jury:

Mehmet de Veroveraar (Ad de Bont)

“Erzähl mir die Geschichte von einem Anderen und ich weiß, wer ich bin”

Mehmet der Eroberer erzählt die große Geschichte von zwei Jungs im 15en Jahrhundert, die in total verschiedenen Welten leben und sich trotzdem treffen. Mehmet ist der Sohn von Sultan Murat ll und soll als 12-jähriger schon regieren über das Ottomanische Reich. Cristiano ist der Sohn eines Kardinals aus Rom und soll im gleichen Alter als Abgesandter von Rom nach Konstantinopel reisen. Wegen beider unterschiedlicher Glauben sollten sie eigentlich Feinde sein, aber sie werden gute Freunde. Getrieben von Einsamkeit und Ehrsucht weiß Mehmet als kleines Kind schon, dass er Konstantinopel erobern wird. Er wird später der Schrecken des Westens genannt werden. Aber zunächst soll er verschiedene Hindernisse überwinden, wobei sein eigener Vater –der ihn nicht als Sohn akzeptiert- das größte darstellt. Einmal Sultan geworden, schließt Mehmet eine nahe Freundschaft mit Cristiano, junger Abgesandter und Sohn des Papstes. Als diese Beziehung aufblüht, webt Ad de Bont spannende und faszinierende Themen zusammen: sei es eine intensive Glaubensdiskussion oder der Streit um eine unmögliche Männerliebe.

Autor Ad de Bont hat ein großes Werk, ein reiches historisches Epos geschrieben mit einem komplexen engagierten Inhalt, der auch heutzutage noch verblüffend aktuell ist. Seine Protagonisten springen von den Seiten hoch und entführen uns in eine mitreißende Story über eine ungewöhnliche Freundschaft zwischen zwei Männern aus unterschiedlichen Kulturen, die sich doch ineinander wiedererkennen. Die großen Themen im Osten und im Westen scheinen überraschend gleich zu sein. Es geht überall um Liebe. Macht, Eifersucht und Verrat. Der Streit zwischen Ost und West, Christentum und Islam, Kopf und Herz, erscheint und erfolgt zu allen Zeiten.

Ad de Bont hat Ende 2012 in Holland mit diesem Text den Taalunion Theaterautorenpreis gewonnen, die höchste Auszeichnung in Holland. Wir konnten und wollten nicht an diesem außergewöhnlichen Text mit extrem hoher Qualtität vorbeigehen und gratulieren Ad für seine hervorragende Arbeit.

4YEO – FOR YOUR EYES ONLY von Esther Rölz

Mit überzeugender Sachkenntnis und spürbarer Sympathie für ihre Protagonisten wendet sich die Autorin einem zentralen Problemfeld der heutigen Jugend zu, dem Cyber-Mobbing.
Es ist ohnehin nicht leicht, jung zu sein. Man ist unsicher: Wer bin ich? Zu wem gehöre ich? Wie sehen mich die anderen? Heutzutage wird diese Unsicherheit auf komplizierte und gemeine Weise potenziert, im Umgang mit dem sogenannten social -network im virtuellen Raum. Alles scheint hier möglich, aber, so lehrt uns der Text: „Da drin –(im Netz) – gibt’s keine Wahrheit!“
Mit „4YEO“ bekommen wir Einblick in einen problematischen Bereich jugendlicher Gegenwart, der von den verantwortlichen Erwachsenen – die im Stück immer nur als schwache Stimmen aus dem Off zu hören sind - vielfach noch gar nicht als solcher wahrgenommen wird.

Die 15-jährige Anouk und ihr Freund Kian sind als hippe Typen ihrer Bezugsgruppe auf der Sonnenseite der Schulwirklichkeit angesiedelt, wobei selbst die ihre Päckchen zu tragen haben: Anouk hat eine frühe Erfahrung mit sexueller Fremdbestimmung und Kian ist als Mitläufer einer Mobber-Gruppe und ergebener Verehrer seiner Freundin auch nicht ganz autonom. Aber das eigentliche Angriffsziel ist Sven, der typische Vertreter der introvertierten Computerfreaks, ein spinnerter „MOF“, = Mensch ohne Freunde, wie die facebook-Community titelt, woraufhin Anouk die zentrale Frage stellt: „Spinnt er, weil er ein MOF ist, oder ist er ein MOF, weil er spinnt?“ Jedenfalls ist sie bereit, mal mit ihm zu reden, als er sie per Geheimbriefchen „For your eyes only“ darum bittet. Unglücklicherweise wird die Botschaft entdeckt und schnell ein Konsens in der vernetzten Peergroup hergestellt: Es ist beschlossene Sache, dass ein solcher „Spast“ sich nicht an die angesagte Anouk „Toller style, tolles Foto, supersüüüüß“ heranmachen darf und damit ist die Treibjagd eröffnet. Dabei begnügt man sich nicht - und das ist die Tragik der gegenwärtigen Situation - mit körperlichen Angriffen und Demütigungen, sondern diese werden gefilmt und an den virtuellen Pranger gestellt, was das Opferschicksal des Leidtragenden besiegelt.
Was das Stück auf eindrucksvolle Weise schafft, ist, den Zuschauer mit auf einen Prozess der Demontage zu nehmen, indem er Zeuge davon wird, wie die Heldin selbst ihren anfänglich prominenten Status im Netz verliert und bis an den Rand der Selbstaufgabe getrieben wird.

Auf der Bühne, die Anouk auf der einen und Sven auf der anderen Seite in ihren Zimmern zeigt, kann der Zuschauer unmittelbar miterleben und miterleiden, was die jeweils geposteten Nachrichten beim Empfänger anrichten. Und indem man dies miterlebt, möchte man beständig eingreifen und warnen: Nein! Tu’s nicht!
Sprache und Verhalten der Figuren erscheinen authentisch, ihre Ängste und existentiellen Nöte glaubhaft und die allgemeine Wehrlosigkeit angesichts der Entwicklung erschütternd.
Ein spannendes Stück für Jugendliche ab 14 und ihre Erwachsenen, an die eindringlich appelliert wird, genauer hinzuschauen.

„Was innen geht“ von Anja Hilling

„Mein Name ist Ovid. Ich bin vierzehn.“ So die ersten Zeilen des Theatertextes, den Anja Hilling, gemäß eigener Angabe als „denkbar für zwei bis acht Schauspieler“ geschrieben hat.

Woher die Sprachmacht? Woher die Eindringlichkeit der Gefühlsäußerungen des Protagonisten? Woher der Einfallsreichtum der Beschreibung von Gefühlsmomenten jenseits vulgärpsychologischer Gefühle? Woher der Rhythmus, der Druck, der Eifer, die aus Worten erwachsende Bildgewalt, mit der Anja Hilling ihren Ovid durch ein von Schicksalsschlägen geprägtes Leben jagen lässt? Woher die Kraft, die das Innerste, die vielfältigen einander widersprechenden, sich überlagernden emotionalen Ströme kund werden lässt? Woher? Anja Hilling schöpft aus dem Vollen. Dem Vollen der deutschen Sprache, die, ohne jemals bemüht antikisierend zu wirken, die ganze ihr innewohnende Kraft entfaltet, dem Vollen der sich daraus erhebenden Bilderströme und Gedankenwelten, dem Vollen des sich rasch entfaltenden mitreißenden Schicksals des jungen Mannes, dessen äußeres wie inneres Erleben wir miterfahren müssen.

Dass ein junger Mann, der im Text Ovid genannt wird, unter extrem widrigen Bedingungen in einer Familie aufwächst, dass verständlicherweise sein schulisches und außerschulisches Dasein ein fortwährendes Scheitern beinhalten muss, dass dies schließlich in sprachlich weit ausgeleuchteten Gefühlsräumen zum Extremen führt: dies macht das Drama aus. Dass dieses Drama vorzutragen kein leichtes Anliegen sein wird, bei der Dichte des Textes, der Getriebenheit und dem Rhythmuswechseln der Darbietung; insofern ist der Hinweis auf „zwei bis acht Schauspieler“ die Ovids innere und äußere Stimme und die Stimmen auch der Gegenspieler übernehmen sollen, alles andre als eine Maniriertheit der Autorin.

Mit dem Titel „Was innen geht“ hat Anja Hilling treffsicher den zeitgenössischen Jugendjargon „Was geht?“ assoziativ mit dem an Joyce gemahnenden inneren Monolog des Protagonisten verknüpft und angedeutet, dass diese innere Welt sich – überbordend – um Grenzen nicht schert.

Ein junger Mann und seine Grenzerfahrung – eine Grenzerfahrung auch für das zeitgenössische Theater und seine Bühnen. Eine Wucht an Text, eine Wucht an Lebensbeschreibung eines Jungen, eine Wucht an Sprache, Dichtung, Drama.

Dreier steht Kopf von Carsten Brandau

„Eine Reihenfolge ist eine Reihenfolge, bleibt immer gleich, ändert sich nie. Sonst passieren blöde und im wesentlichen uninteressante Sachen wovon niemand was hält. Also, lass es deutlich sein: Einer ist immer der Erste, Zweier ist immer der Zweite. Immer…! Ordnung muß sein.“

Das ist Ausgangspunkt von dem neuen Text von Carsten Brandau. Sein sprachliches Spiel mit festgelegten Plätzen, wichtigen aber anstrengenden Gewohnheiten und immer gleichbleibenden Reihenfolgen ist spielerisch und voller Witz. Wiederholungen und Sprachwitze machen den Text sowohl herrlich zu lesen als auch zu spielen. Das junge Publikum wird sich entzückt auf die Einrichtung von erst mal ein, zwei, aber… Hilfe -das macht alles noch komplizierter- da kommt ein Dritter… einlassen.

Es ist Carsten Brandau gelungen, für ein sehr junges Publikum einen komplizierten aber reizenden Text zu erschaffen, der mathematisch klingt und gleichzeitig wichtige Sachen thematisiert: Wer bin ich? Wer bist du? Wie passen wir zusammen? Dies alles ist so locker und äußerst humorvoll geschrieben, dass jeder sich davon einnehmen lässt und mitgeht.

Die Jury zeichnet Carsten Brandau aus für ein eindringliches, gleichzeitig komplexes und sprachlich hoch ambitioniertes Vexierspiel. Sein Geheimnis um Spiel und Ordnung wird nie ganz offenbart und durch eine überraschende und gekonnte Dramaturgie

 

 

Preisträger 2012

 

Anouk Saleming  (NL)

für das Stück  

"Runnin` blue"

€ 1.875

Thilo Reffert (D)

für das Stück

„Nina und Paul“

€ 1.875

  Freek Mariën (B)

für das Stück

„Vergiet“ (Sieb)

€ 1.875

  Eva Rottmann (CH)

für das Stück

„Blauer als sonst"

€ 1.875

 

Neben den Preisträgern empfiehlt die Jury folgende Texte und hat sie in den Stückepool aufgenommen: 

Roel Adam (NL)

mit dem Stück

„Heldenbrigade“

Carsten Brandau (D)

mit dem Stück

„Kreuzweise“

Daan Windhorst (NL)

mit dem Stück

„Liefde in de tijd van glasvezel“ ("Liebe in der Zeit von Glasfaser")

Renè Geerlins (NL)

mit dem Stück

„Gezocht: Konijn“ ("Kaninchen gesucht")

Christian Schönfelder und Ensemble theaterkohlenpott (D)

mit dem Stück

„Kanalhelden“

Theo Fransz (NL)

mit dem Stück

„Geheim“

Holger Schober (A)

mit dem Stück

„Schwarze Milch oder Klassenfahrt nach Ausschwitz"“

 

Informationen über die Jurymitglieder 2012:

Inèz Derksen (NL) – Künstlerische Leitung und Regisseurin Theater Het Laagland

Renate Frisch (D) – Mitbegründerin des ReibeKuchenTheaters und Regisseurin

Rob Vriens (NL) – Freier Regisseur, u.a. Theaterhaus-Ensemble Frankfurt

Ralph Förg (D) – Geschäftsführer des Filmhauses Frankfurt

 

Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an die Festivalleitung (Helmuth Hensen), Tel.: 0203.283-8485 oder –8486, info@kaasundkappes.de


hier die Begründungen der Jury:

Runnin’ Blue von Anouk Saleming - NL

 Er wartet am Flughafen auf seine Freundin. Wenn sie rechtzeitig da sein wird, wird er nicht fliegen. Wenn nicht, fliegt er nach Afrika und kommt nie wieder zurück. Sie verlässt ihre Wohnung in grosser Eile, muss und will unbedingt rechtzeitig da sein. Aber unterwegs passieren Dinge, scheinbare Kleinigkeiten, die ihren Weg komplizierter machen und ihre Eile bremsen.

 Der sehr intelligent zusammengestellte Text Runnin’ Blue zeigt dieses Paar – und andere. Alle aber müssen, weil sich minimale Wechsel in ihrem Alltag ereignen, die sich daraus ergebenden Folgen tragen. Ein Haus wird leer geraubt, ein Hund getötet, eine Beziehung geht zu Ende. Aber was, wenn… und wenn, dann… !? Kann man das Schicksal in die eigene Hand nehmen?

 In Runnin’ Blue treffen wir also mehrere Personen an einem Tag gleichzeitig in immer der gleichen, sich wiederholenden halbe Stunde. Der Text ist inspiriert durch den Kinofilm ‘Lola rennt’ und den gleichnamingen Doors-Song ‘Runnin’ Blue’. Die Autorin hat sehr nah mit zehn sehr jungen Schauspielern gearbeitet und deren Geschichten auf rührende und anspruchsvolle Weise zusammengebracht in einem Text, der zeigt, dass jede kleine Änderung auf deinem Weg grosse Folgen haben kann.

 Durch die mehrfache Wiederholung jeder Situation, immer leicht versetzt, entsteht eine grosse Dynamik und diese erzeugt ein grosses Interesse beim Publikum.  Es ist ein überraschender, kraftvoller aber auch poetischer Text, der sowohl durch Jugendliche als auch durch erfahrene Schauspieler auf die Bühne gebracht werden kann.

 Er zeigt, wie jede Entscheidung nicht nur auf Dich selbst, sondern auch auf andere einen unerwartet grossen Einfluss haben kann, was das junge Publikum sicher wiedererkennen wird und womit es nachher bestimmt etwas anfangen kann.

 

 

Runnin’ Blue van Anouk Saleming - NL

 Hij wacht op het vliegveld op zijn vriendin. Als ze er op tijd is zal hij niet vertrekken. Zo niet, gaat hij voor altijd naar Afrika. Zij verlaat in haast haar woning. Ze moet en wil op tijd op het vliegveld zijn. Maar onderweg gebeuren dingen die de weg ingewikkelder maken en haar tegenhouden.

 De intelligent samengestelde tekst Runnin’ Blue toont dit stel en vele anderen. Allemaal ervaren ze door kleine toevalligheden dat hun lot zich draait en hun leven ingrijpend verandert. Een huis wordt leeggehaald, een hond gedood, een relatie loopt dood. Maar wat als… en als niet… Kun je het lot in eigen hand nemen?

 In Runnin’ Blue komen er dus meerdere personen samen in dezelfde tijd op dezelfde dag in hetzelfde zich herhalende half uur. De tekst is geïnspireerd op de film ‘Lola rennt’ en het lied Runnin’Blue van de Doors. De schrijfster heeft met tien jongeren samengewerkt en hun eigen verhalen met fictie vermengd. Dat doet ze op een roerende en aantrekkelijke manier.

 Door de zich herhalende herhalingen van elke situatie op zich ontstaat een grote dynamiek en dit roept grote betrokkenheid en interesse op bij het publiek. Het is een verrassende, compacte, krachtige maar toch ook poëtische tekst, die door jongeren zowel als door acteurs gespeeld kan worden.

 Het laat zien hoe een ogenschijnlijk kleine beslissing niet alleen op jouzelf maar ook op anderen een onverwacht grote invloed kan hebben. Het jonge publiek zal dat herk hzelf betrekken.ennen en op zic

 

VERGIET ('SIEB') von Freek Marïen - BE

Ein alter Mann möchte gerne seine Erinnerungen sortieren. In Momente, die behalten werden sollen, und Momente zum Wegwerfen.
Aber ein Kopf lässt sich nicht steuern.
Was, wenn dein Gedächtnis 'leckt'?

'Ich stecke meinen Kopf 
in die Tiefkühltruhe.
Dann bleibt er länger gut.'

LISTE 1: DINGE, DIE ICH NICHT MEHR WEISS (die habe ich verloren)
LISTE 2: DINGE, DIE ANDERE MENSCHEN NICHT WISSEN DÜRFEN
-Warum der Kühlschrank offen steht
- Dass das Alphabet mit einem a anfängt
-.....(... habe ich vergessen.)
-Was in meinen Schubladen drin ist
-Was in meinen Schubladen drin war
- Dass ich nur gucke und gucke, in der Hoffnung, sie jemals zu sehen
LISTE 3: DINGE, DIE ICH NICHT MEHR WISSEN WILL (die ich aber nicht loswerde)

Ein alter Mann leidet an Demenz. Seine Enkelin arbeitet in einer Fischstäbchenfabrik und sucht oft das Zusammensein mit ihrem Opa. Sie meldet ihm, dass seine Schubladen entleert werden und dass er umziehen muss. Diese Nachricht trifft ihn hart. Er wartet schon zehn Jahre lang auf die Heimkehr seiner Frau. Was soll passieren, wenn sie ein leeres Haus antrifft? 

Langsam gibt er die Hoffnung auf, dass sie nach so vielen Jahren heimkommen wird. Er versteht, dass er selbst in Aktion treten muss. Ihre Hochzeitsreise war damals  nach Alaska geplant. Die Reise haben sie aber nie gemacht, sie wurde immer wieder verschoben. Er glaubt jetzt, dass seine Frau nicht länger hat warten wollen und dass sie schon abgereist ist. Also bereitet er seine eigene grosse Reise nach Alaska vor.

Allmählich wird es klar, dass seine Frau schon vor zehn Jahren gestorben ist.  Am Tag seines Umzugs holt seine Enkelin ihn ab. Er ist fertig mit allem. Fertig für Alaska. 

Ein Theatertext über Demenz, ein Stück, das man nicht leicht vergessen wird.
Liebevoll und poetisch geschrieben. Orginell und fantasievoll gebaut. Mit viel Gefühl für Humor und Theatralität kommen die Verwirrung und die Einsamkeit, die zu Demenz gehören, klar zum Ausdruck. Ohne pädagogisch zu werden und ohne zuviel zu benennen. Aber mit Raum für unsere eigene Fantasie und für Mitgefühl mit Opa und seiner Enkelin. Der musikalische Text liest sich wie eine zarte Partitur. Die Regieanweisungen in Form von Opas Gedanken und seine Subtexte geben einen Mehrwert. Die Leichtigkeit und Eigentümlichkeit der Sprache machen neugierig auf den Autor und auf weitere Stücke. 'Flämisch frisch' und einen Preis wert. 

  VERGIET ('SIEB') von Freek Marïen - BE

'Ik steek mijn hoofd
in het diepvriesvak.
Dan blijft hij langer goed.'

Een oude man wil zijn herinneringen graag sorteren.
In momenten om te behouden en momenten om weg te gooien.
Maar zijn hoofd laat zich niet sturen.
Wat als je hersens lekken?

 LIJST 1: DINGEN DIE IK NIET MEER WEET

(die ben ik kwijt)
LIJST 2: DINGEN DIE ANDERE MENSEN NIET MOGEN WETEN
- waarom de koelkast openstaat
- dat het alfabet met een a begint
- … (die ben ik vergeten)
- wat er in mijn schuiven zit
- wat er in mijn schuiven zat
- dat ik maar blijf en blijf kijken, in de hoop haar ooit te zien.
LIJST 3: DINGEN DIE IK NIET MEER WIL WETEN
(die geraak ik maar niet kwijt)

Een oude man lijdt aan dementie. Zijn kleindochter werkt in een vissticksfabriek en bezoekt haar opa vaak. Ze vertelt hem dat zijn schoenenzaak leeggeruimd wordt en dat hij moet verhuizen. Dit bericht raakt hem zeer. Hij wacht al tien jaar lang op de thuiskomst van zijn vrouw. Wat zou er gebeuren als ze een leeg huis aantreft? 

Langzaam geeft opa de hoop op dat ze na al die jaren nog terugkeren zal. Hij begrijpt dat hij zelf in actie moet komen. Destijds zouden ze op huwelijksreis naar Alaska. Maar die reis zijn ze nooit begonnen, telkens werd het weer verschoven. Nu meent hij dat zijn vrouw niet langer meer wilde wachten en al vertrokken is. Dus bereidt hij zijn grote reis naar Alaska voor. Langzamerhand wordt het duidelijk dat zijn vrouw tien jaar geleden gestorven is. Op de dag van zijn verhuizing haalt zijn kleindochter hem op. Hij is klaar met alles. Klaar voor Alaska. 


Een theatertekst over dementie, dat je niet snel zult vergeten.
Liefdevol en poetisch geschreven. Origineel en fantasievol opgebouwd. Met veel gevoel voor humor en theatraliteit komt de verwarring en de eenzaamheid die bij dementie horen helder aan bod. Zonder pedagogisch te worden en zonder te veel te benoemen. Maar met ruimte voor onze eigen verbeeldingskracht en ruimte om met opa en zijn kleindochter mee te leven.
Deze muzikale tekst leest als een tedere partituur. De regieaanwijzingen in de vorm van opa's gedachten en zijn subteksten zorgen voor een meerwaarde.
De lichtheid en eigenzinnigheid van de taal maakten nieuwsgierig naar de auteur en naar méér stukken.
'Vlaamse Frisheid' en een prijs waard.  8+    

   

Nina und Paul  von Thilo Reffert – DE

 

Das Stück Nina und Paul entstand ursprüglich als Kinderbuch; glücklicherweise hat sich Thilo Reffert dazu entschlossen, die literarische Vorlage auch als Theaterstück auszuarbeiten.

So dürfen wir erleben, wie die beiden Kinder in der Schule, kurz vor Ferienstart, von einer zärtlichen Zuneigung zueinander – ja – befallen werden. Paul fasst sich ein Herz und folgt Nina nach Hause, wo er zunächst für sich, dann gemeinsam mit Nina eine Überraschung nach der anderen erlebt: Nina lebt auf dem Lande und ganz anders als er. Nachdem er sich mit den Verhältnissen auf dem Hof vertraut gemacht hat, Treckerfahrt inclusive, wird er von Ninas freundlicher Familie durchgefüttert. Das Schönste dabei ist zunächst, dass die zärtlichen und keimenden Gefühle der beiden zueinander von den dort lebenden Erwachsenen und auch von Ninas älterer Schwester ganz ernst genommen werden. Kleine Missverständnisse und mitunter auch leichte Peinlichkeiten begleiten ihren Tag - und ihr Zueinanderfinden.

Das Theaterstück gewährt, was (uns allen) der Alltag leider oft verweigert: Zeit und Raum für Zärtlichkeit. Sprachspiele, Witze und flotte Dialoge. Schon erklimmen die beiden, abenteuerlustig wie sie sind, luftige Höhen, die Kabine eines Windrades – ein wahrer Höhepunkt des Stückes.

Mit seinem Theatertext der eigenen literarischen Vorlage hat Thilo Reffert inhaltlich wie sprachlich eine hervorragende Spielvorlage geschaffen. Eine Geschichte junger Liebender, anrührend und empfindungsreich geschildert, auch in ihren Charakteren. Ein hervorragendes Theaterstück für eine kleine Besetzung und für Kinder ab 10 Jahren.

Allerdings ist die Jury übereinstimmend der Auffassung, dass das Stück, anders als empfohlen, sich der Mehrfachbesetzung insbesondere in den Hauptrollen, eigentlich verweigert. Die Gefahr, dass zarte Empfindungen, die wir als Zuschauer mit den beiden Kindern erleben, durch Rollenwechsel und mithin Diskontinuität, immer wieder aufgebrochen werden, ist zu groß – und dieser Gefahr kann leicht durch eine Besetzung mit mehreren Spielern vorgebeugt werden. Denn: Gibt es etwas Schöneres als erste Liebe? Das wollen wir doch erleben – immer wieder - dafür ist Theater da.

  

Blauer als sonst von Eva Rottman - CH

 Wie peinlich ist ein Vater, der  „Yeah!“ sagt? Und der dauernd mit einem über die erste Freundin reden will? Oder über Sex??! Der meint, man ist ständig drauf, nur weil man Bushido hört!

 Vielleicht zieh ich wieder zu Mama...’, überlegt Finn, aber dann denkt er wieder an Jule. Und daran, dass Adrian behauptet, sie stehe auf  ihn. Also nicht auf Finn, sondern auf Adrian natürlich, denn der hat ja angeblich sogar schon mal was mit einer aus der 12 gehabt!

 Es ist nicht leicht, jung und verliebt zu sein, zwischen den übermächtigen Machos in der Schule, die sich abmühen, sexistische Rapper zu kopieren, und hilflosen Elternfiguren, die mit ihren eigenen Beziehungskarrieren nicht im Reinen sind, aber so tun, als könnten sie den jugendlichen Kindern wertvolle Ratgeber sein. „Wir haben darüber geredet, Finn!“ „Du hast geredet, Papa!“ So treffsicher und mit wenigen Worten viel sagend sind die Dialoge in Eva Rottmanns Drama über die erste Liebe!

 Dabei könnte alles so schön sein, wie sich die ersten Begegnungen zwischen Finn und Jule ganz vorsichtig anlassen, Schritt für Schritt, - „Ich hätt dich eh auch bald gefragt...“  „Ich hab nur nicht gewusst wie...“ – wenn man sie nur lassen würde. Aber statt dessen drängt es, von innen und von außen. Und diese Bedrängnis mit wenigen Worten und Auslassungen an der jeweils entscheidenden Stelle zum Teil schmerzhaft deutlich werden zu lassen, das gelingt der Autorin hervorragend. Ähnlich wie die Titel-Formulierung einen stutzen lässt, dass etwas scheinbar selbstverständlich so Seiendes anders – nämlich „Blauer als sonst“ empfunden werden kann, so wird mit großer Sensibilität die Verunsicherung der jungen Menschen und ihrer Erziehungsberechtigten angesichts des Normalsten von der Welt, der erwachenden Sexualität nachgezeichnet.

Der Kunstgriff der Retrospektive aus der Sicht einer vom Vater verratenen frühen Liebe rundet die Geschichte ab. Die Erinnerungen der erwachsenen Frau an pubertäre  Liebesträume, Ängste, Sehnsüchte und erlittene Schmach  weisen unaufdringlich, aber unausweichlich auf den moralisch integeren Weg, indem sie das Gegenteil vorführen: Wie nämlich der Vater mit seinen Kumpels das Vertrauen des verliebten Mädchens missbraucht und sie damit aus lauter Gaudi und Feigheit vor der Clique nachhaltig verletzt hat. Das erkennt über die schmucklose Darstellung der tagebuchartigen Rückblicke auch der letzte coole Macho im Publikum ganz ohne pädagogischen Zeigefinger.

 Wie schön, dass in diesem Stück über ersten Sex auch die Verliebtheit nicht zu kurz kommt! Dass am Ende von allen täppischen Versuchen bei Jung und Alt die versöhnlichen und Zukunft verheißenden Noten den Ton angeben, das macht nicht zuletzt den Wert dieses trefflich konstruierten und mit Witz, Zärtlichkeit und Menschenkenntnis gezeichneten Dramas aus und lässt bestimmt auch den Zuschauer nach dem Genuss des Stückes den Himmel blauer als sonst empfinden.

 Juryempfehlung: FSK 14.

 

zum Stückepool 2012

 

 

Preisträger 2011

1. Preis:

Fransz, Theo (NL)

für das Stück

"Voor eeuwig en honderdmiljoen dagen"
(Für ewig und hundertmillionen Tage)

€ 2.500

 2. Preis:

Daniel Ableev & 
Christian Kellner (D)

für das Stück

„d`Arquette“

€ 2.000

 

zwei 3. Preise:

Charlotte Luise Fechner (D)

für das Stück

„Schneeschuhhasen im Glas“

€ 1.500

Daniela Dröscher (D)

für das Stück

„Als wäre ich Papier"

€ 1.500

 

Neben den Preisträgern empfiehlt die Jury folgende Texte und hat sie in den Stückepool aufgenommen: 

Frank Adam (B)

mit dem Stück

„Aleksej“

Ulrich Hüni (D)

mit dem Stück

„Glückswarten“

Helmuth Hensen (D)

mit dem Stück

„Die Welt steht still“

Ralf N. Höhfeld (D)

mit dem Stück

„Der Bushaltstellenküsser“

Edzard Schoppmann (D)

mit dem Stück

„Mauersegler“

Tina Müller (D)

mit dem Stück

„Ich kann Fliegen zähmen, echt wahr“

 

Informationen über die Jurymitglieder 2011:

Silvia Andringa (NL) – Freie Regisseurin. Mitbegründerin des Theaters „Het Laagland“. Künstlerische Leitung des Festivals „Halbstark“ – Münster

Renate Frisch (D) – Mitbegründerin des ReibeKuchenTheaters und Regisseurin

Rob Vriens (NL) – Freier Regisseur, u.a. Theaterhaus-Ensemble Frankfurt

Ralph Förg (D) – Geschäftsführer des Filmhauses Frankfurt

 

hier die Begründungen der Jury:

Voor eeuwig en honderdmiljoen dagen 
(Für ewig und hundertmillionen Tage - Übersetzung: Monika The)
von Theo Fransz

Kesselmann ist ernsthaft krank, soviel ist ja klar. Am liebsten würde er untertauchen, um seiner Aufnahme ins Krankenhaus zu entfliehen. Weil er krank ist,  sich aber nicht krank fühlt. Er will  seinen Eltern entfliehen, die sich komisch benehmen. Sie weinen viel und umarmen ihn viel zu kräftig.  Er versucht das ‘Kranksein’ noch geheim zu halten vor seinen Freunden. Aber das verstehen wir erst später im Stück.  
Erstens ist da Thomas, der  in seiner Erinnerung zurückkehrt in eine Gruppe von 4 spielenden Kindern, wovon er eines war. Bei fantasiereichen Spielen und den tagtäglichen und manchmal lustigen Kleine Jungs- und Mädchenkonflikten bekommt Kesselmann ein großes Nasenbluten. Mit einem Pfropfen blutigem Toilettenpapier in seiner Nase stellt er das Nasenbluten-Monster dar.  Aber dann wird er müde und soll sich hinlegen. Er gesteht, dass er morgen ‚umziehen‘ soll zum Krankenhaus und vielleicht wird er sterben müssen. Die Kinder unterhalten sich darüber, was Kesselmann erwartet. Sie schwören Treue und Freundschaft mit Kesselmann, spielen seine Beerdigung. Sie  stoßen schließlich auf die Freundschaft an, als wäre es eine Hochzeit und schwören, dass diese für ewig und hundertmillionen Tage dauern wird…  
Autor (und Regisseur) Theo Fransz kennt seinen Kinderfiguren gut und lässt sie mit einander spielen, streiten und für einander sorgen auf eine Weise, von der man als Erwachsener nur träumen kann. Ein sehr schöner, bewegender und humorvoller Text, in dem poetische und ernsthafte Worte kräftig kontrastieren mit herzergreifender Logik. Ein spielerischer Text über das grenzenlose Vermögen von Kindern; miteinander  stark zu sein und mit schwierigsten Situationen umzugehen.

 

Voor eeuwig en honderdmiljoen dagen
(Für ewig und hundertmillionen Tage - vertaling: Monika The)
van Theo Fransz

Kesselmann is ernstig ziek, zoveel is wel duidelijk. Liefst zou hij onderduiken om te ontsnappen aan zijn ziekenhuisopname, omdat hij ziek is maar zich niet ziek voelt. Ontsnappen aan zijn ouders, die zich raar gedragen. Ze huilen veel en omarmen hem veel te hard. Hij probeert het ‘ziek zijn’ nog even geheim te houden voor zijn vrienden. Maar dat begrijpen we pas later in het stuk.  
Eerst is er Thomas die terug gaat in zijn herinnering naar een groepje van 4 spelende kinderen, waarvan hij er één was. Tussen het fantasierijke spelen en de dagelijkse en soms hilarische kleine jongens- en meisjesconflicten krijgt Kesselmann een flinke bloedneus. Met proppen bebloed toiletpapier in zijn neus is hij het Nasenbluten-monster, maar dan wordt hij moe en moet liggen. Hij bekent dat hij morgen moet ‘verhuizen’ naar het ziekenhuis en misschien gaat hij wel dood. Er wordt gesproken over wat Kesselmann te wachten staat. De kinderen zweren trouw aan de vriendschap met Kesselmann, spelen zijn begrafenis, beklinken de vriendschap als een huwelijk en zweren dat dit eeuwig en hondermiljoen dagen zal duren…  
Dan keert Thomas weer terug in het hier en nu en zijn de kinderen een herinnering geworden.  
 Schrijver (en regisseur) Theo Fransz kent zijn kinderpersonages goed en laat hen met elkaar spelen, strijden en voor elkaar zorgen op een manier waar je als volwassene alleen maar van kunt dromen.  
Een prachtige, ontroerende en humorvolle tekst waarin poëtische en ernstige woorden in mooi contrast staan met hartveroverende logica. Een speelse tekst over een grenzeloos kinderlijk oplossingsvermogen om met elkaar en met moeilijke situaties om te gaan.

 

 

d`Arquette
von Daniel Ableev und Christian Kellner

  Domi, Vloo und Dodoniel  
Das Theaterstück d`Arquette, verfasst von Daniel Ableev und Christian Kellner, trägt die Unterzeile „Bissige Satire in einem Akt“. Völlig zu Recht.  
Zwei junge Leute, Domi und Vloo, Helden des Alltags, wollen am Abend ausgehen. Das will gründlich geplant und vorbesprochen werden. Wer kommt. Wer wann kommt. Wer nicht kommt. Wer wann wohin kommt. wer warum und wann wohin geht. Wer sich wann und warum und wo und sinnvollerweise und mit und ohne Tier und mit und ohne Freunden mit wem trifft und wie die Musik sein wird. Wie die Musik sein wird um elf um eins um drei oder vier und wohin man abwandern kann wenn die Musik nicht gut ist.  
Das wäre auch schon die ganze Handlung, würde nicht der dreiste Dodoniel, eine der schillernden Comicwelt entsprungene Figur, die zwischen Horror und Lächerlichkeit changiert, die Überlegungen unserer beiden Helden immer wieder unterbrechen. Zunächst unaufdringlich, dann drängender. Schließlich wird er die Helden und ihren Bühnenauftritt zum Verlöschen bringen.  
Ein harmloses Geplauder, wie es unter jungen Leuten so üblich ist? Weit mehr als das. Denn der Text „d`Arquette“ macht sich den small-talk junger Leute zunutze. Spielt mit deren Jargon, deren Redewendungen, spielt mit deren Sprache wie der Sprache überhaupt. Spielt mit deren von Klischees durchsetzten Floskeln, greift diese gekonnt auf. Dann das Kunststück: die ohnehin reduzierte und auf armseligste Grammatik heruntergeschraubte Kommunikation der Figuren wird nochmals reduziert. Solange bis die Eingeschränktheit der verbalen Äußerungen mehr und mehr ins Absurde abgleitet. Lächerlichkeit kommt auf, Komik entsteht. Damit einhergehend entwickelt sich auf der Bühne, vor unseren Augen eine ganz eigene, wie aus einer Kunstsprache hervorgegangene Welt – die zwar die abendliche Partywelt junger Leute zum Thema hat, die jedoch , wie die Helden Domi und Flo, jeglichen Bezug zu Sinn, jeglichen Bezug zur beinharten Wirklichkeit einbüßt und zu einem surrealen Bühnenleben führt, in dem deren Gesetze nicht mehr gelten.  
Das Stück geht noch einen schritt weiter: wenn aber der Nicht-Sinn, der lachhafte Non-Sense das Gesetz hinter sich lässt: welche Gesetze gelten dann?  
Ein geistvolles Stück, dass die Ungeistigkeit der Zeit mit feinem und mitunter auch brachialem Humor vorführt. Wir dürfen lachen über die Protagonisten aus „D´Arquette“, wir dürfen uns aufs Beste amüsieren. Die Helden werden demaskiert – aber niemals denunziert. Glücklicherweise – denn wir sind es ja selber, die wir uns in nichtigen Phrasen und nichtigen Handlungen ergehen.  
So haben Daniel Ableev und Christian Kellner sprachgewandt einen Text geschaffen, der die Absurdität unseres Daseins beispiels seiner jugendlichen Partygänger auf die Bühne bringt. Umwerfend komisch. Und: Gefährlich!  

 

d`Arquette
van Daniel Ableev und Christian Kellner  

Het theaterstuk d?Arquette, geschreven door Daniel Ableev en Christan Keller draagt als ondertitel: ?Een bijtende satire in een enkele acte?. Volkomen op z?n plaats.
Twee jonge mensen, Domi en Vloo, de helden van alledag, willen `s avonds uitgaan. Dat moet grondig gepland en voorbereid worden. Wie komt er? Wie komt wanneer? Wie komt er niet? Wie komt waar heen? Wie gaat waar heen en wanneer?. Wie treft zich waar en met en zonder dieren en met en zonder vrienden en hoe zal de muziek zijn? Hoe zal de muziek zijn om elf uur, om een, om drie of om vier uur en waar kan men heen wanneer de muziek niet goed is?
Dit is de hele tekst en tegelijkertijd het gehele handelingsverloop. Ware het niet dat Dodoniel, een derde, uit de comic-wereld ontsproten personage die tussen horror en absurdisme laveert, onze helden steeds weer onderbreekt en hun bedoelingen doorkruist. Eerst opdringerig, daarna dwingend. Uiteindelijk zal hij onze helden tot hun ´verlossing´ brengen.
Een schijnbaar onschuldig gebabbel, hoe het onder jongeren zo vaak gaat. Maar nee, het is veel meer dan dat. De tekst d?Arquette gebruikt small-talk van de jonge mensen, speelt met het jargon, haar redeneringen en omdraaiingen, speelt zelfs met de taal zelf. Speelt met de cliche´s van alledag en grijpt je daarmee ongelofelijk bij de kloten.
Het is een kunsttstuk. Het is zonder uitzondering gereduceerde en tot armzalige grammatika teruggebrachte communicatie. Net zolang tot de beperktheid van die verbale uitingen weer absurd worden. Lacherigheid komt zeker naar boven, de komische werking is daarmee compleet. Maar er ontwikkelt zich voor onze ogen een geheel eigen en kunstmatige wereld, die het uitgaan van jongeren tot onderwerp heeft, maar elke betrekking tot de realiteit door de aanwezige non-sens verliest. Welke regels gelden er nog?
Een geestige tekst, die de ongeestigheid van deze tijd met fijnzinnige humor lardeert. We lachen om onze protagonisten, we mogen ons vermaken. De helden worden ontmaskerd, maar nooit worden ze gelukkig. Het zal uiteindelijk allemaal in onzinnige frasen en doodnormale handelingen tenondergaan.
Zo hebben de autoren een bizarre tekst geschapen die de absurditeit van ons bestaan door het tonen van deze jonge partyende mensen op toneel brengt. Verschrikkelijk komisch. Maar ook en vooral: heel gevaarlijk.

 

Schneeschuhhasen im Glas
von Charlotte Luise Fechner

„Dass man in der Schule auch nie was lernt, was wirklich wichtig ist! Ich meine, wen interessieren schon Schneeschuhhasen? Die gibt’s in Deutschland nicht mal...“ räsoniert sie über die Inhalte des Biologieunterrichts und macht sich daran, ihren Versuchsaufbau vorzubereiten.
Das junge Mädchen – vermutlich Schülerin eines 11. Jahrgangs - teilt uns dabei folgendes mit: Sie hat ihrem Vater die Kreditkarte geklaut, hat sich im Internet alle Zutaten für eine künstliche Befruchtung in vitro bestellt, hat sich dann „aus dem Genpool die geilste Kombi zusammengemorpht“ – Haut- und Haarfarbe, Nichtraucher, samt Lebensmotto und Glaube der Spender und Spenderinnen, und schickt sich nun an, ein Kind herzustellen. Denn: „ ..Sex – also so toll jetzt echt nicht – der ganze Aufstand...“  Sie hat’s schließlich mit Ritchie auf einer Party ausprobiert. Also, wenn man aus irgendeinem Grund kein Kind auf natürliche Weise zeugen möchte, dann muss man doch wissen, wie’s anders geht.
Während dieses „reproduktionsmedizinischen Bühnenversuches“ erfahren wir, dass die Erzählerin selbst einen solchen Ursprung hat, und so erscheint es folgerichtig, dass sie versucht, ihre eigene Existenz auf demselben Weg zu rekonstruieren.

 Inhaltlich gelingt es der Autorin Charlotte Fechner, vor dem Hintergrund der aberwitzigen Ausgangssituation ein quasi philosophisches Essay über Leben und Herrschaft, Schöpfung und Demut zu entwickeln, aber auch über Bildungsinhalte und Funktion von Schule. Durch das Einstreuen von alltäglichen Teenager-Erfahrungen bleibt sie jedoch immer auf der Augenhöhe des jugendlichen Publikums, welches sie ernstnimmt und dessen praktische Lebenstüchtigkeit sie offenbar hoch einschätzt.
Die Sprache ist kunstvoll gesetzt und unterstreicht fortwährend die hintersinnige Bedeutung der scheinbar leicht dahergeplapperten Worte durch Auslassungen. Dadurch entsteht ein monologischer Mega-Satz über die großen Fragen der Zeit, der sich auch vor ratlosen Pausen über die Länge von bis zu einer halben Seite nicht scheut, eine Ratlosigkeit, die sich übertragen und  fruchtbare Diskussionen im Publikum anregen kann.

Ein im besten Sinne überraschendes Stück modernes Theater, welches sich auch für das Klassenzimmerspiel eignet – sinnvoller weise im Chemiesaal!

 


Schneeschuhhasen im Glas
van Charlotte Luise Fechner


´Op school leer je nooit iets wat belangrijk is. Wie interesseert zich nou voor sneeuwschoenhazen. Die heb je in Duitsland niet eens.` resoneert een jonge vrouw over de inhoud van de Biologieles en bouwt daarop haar betoog.
Het meisje, vermoedelijk 17 of 18, deelt ons het volgende mee: ze heeft de creditkaart van haar vader gestolen, via internet alle ingredienten voor een kunstmatige bevruchting besteld, heeft de beste genen bij elkaar verzameld. (huidskleur, haarkleur, niet-roker, een goede levenshouding en geloof) en richt zich nu op het maken van een nieuw reageerbuiskind. Want `sex is echt zo leuk niet hoor, dat gedoe?´ Ze heeft het tenslotte met Ritchie geprobeerd op een Party. Dus, wanneer je om de een of andere reden geen kind via de natuurlijke weg op de wereld wil zetten moet je je verdiepen in hoe je dat op een andere manier wel kunt doen. Terwijl we dit relaas aanhoren, begrijpen we dat de jonge vrouw zelf een dergelijke oorspong kent en daarom wordt het volledig voorstelbaar dat ze probeert haar eigen aanwezigheid op dezelfde manier te verantwoorden en te reconstrueren.
Inhoudelijk lukt het de schrijfster Charlotte Fechner vanuit de achtergrond van die belangrijke uitgangssituatie een quasi-filosofische essay over leven en samenleving te maken. Schepping en deemoed te ontwikkelen, maar tegelijkertijd ook verschillende leerdoelen en functie van scholing in het algemeen aan de kaak te stellen. Door het te larderen met dagelijkse ervaringen van een teenager blijft ze steeds binnen de belevingswereld van de jonge toeschouwer. Die ze serieus neemt en wiens praktische levensvragen ze blijkbaar hoog inschat.
De taal is kunstmatig samengesteld en onderstreept voortdurend de achterliggende bedoeling van de schijnbaar achteloze woorden en uitlatingen. Daardoor ontstaat er een lange mega-zin over de grote vraagstukken van deze tijd, die ook door (voorgeschreven) pauzes en stiltes (soms van een halve pagina) niet schuwt de radeloosheid over te dragen en dwingende discussies met het publiek niet uit de weg gaat.
Een in de beste zin van het woord verrassend stuk modern theater, die zich tot het klaslokaak toespitst, of in een scheikunderuimte goed tot z´n recht komt.

 

Als wäre ich Papier 
von Daniela Dröscher

 Das Mädchen Liz (15 Jahre alt, für immer) sitzt in ihrem gläsernen Wohnwagen auf einem Dach. Da kommen ihr Bruder und ihre zwei Schwestern. “Was macht ihr denn hier?” Sie sind gekommen, um zusammen die tragische Geschichte der kleinen Schwester vorzustellen. Warum sie Probleme hatte, die Welt zu verstehen und vor allem: warum die Welt sie nicht verstanden hat. Und was für eine 15-jährige Ausflüchte sind: Kiffen, Streiten, sich Ausschließen, so, dass niemand sich mehr um sie bemüht.
Hier entwickelt sich ganz vorsichtig eine wertvolle Situation, in der festgestellt werden kann, dass es jemandem manchmal einfach nicht gelingt ‘dazu zu gehören’. Der Text schildert aber auch eine Familienchronik, die veranschaulicht, wie die unterschiedlichen Rollen sich verändern, wenn Eltern sich zurückziehen und nicht mehr da sind. Jemand übernimmt die Mutterrolle, jemand verweigert, mitzumachen, jemand gibt Liebe, weil die anderen das nicht können. Und jemand verschwindet.
Das Stück ist eine philosophische Komposition für vier Stimmen. Mit großer Präzision wird Liz´ Geschichte entfaltet. Warum nimmt jemand Drogen? Ist es wirklich nicht zu vermeiden? Was ist Hilfe? Wann gibt man, was ist richtig, wann ist etwas zuviel?
Weil große Themen in diesem Stück angelegt sind, die aber nicht schwer auf uns zu kommen, ist es ein wichtiger und vor allem liebevoller Text. Jeder Jugendliche wird sich auf irgendeine Weise darin wiedererkennen. Weil die existentielle Fragen des Lebens für jeden gelten. Weil die Drogenproblematik nicht als Klischee dargestellt wird, quasi nebenbei läuft. Weil das Stück Zärtlichkeit und Zweifel verbindet.
Aufwachsen bedeutet Streit, Einsamkeit und viele viele Fragen. ‘Als wäre ich Papier’ gibt keine eindeutige Antwort, zeigt aber mit Leichtigkeit, Kraft und Präzision, wo es lang geht… und wo es schief laufen kann, wenn man einen Moment nicht aufpasst.
Mit Freude geben wir den geteilten Dritten Preis an die Autorin Daniela Dröscher.

 

Als wäre ich Papier
van Daniela Dröscher


Het meisje Liz (15 jaar oud, voor altijd) zit in een glazen woonwagen op een dak. Daar komen haar broer en zusjes. ?Wat doen jullie hier?? Ze zijn gekomen om het tragische verhaal van hun kleine zusje nog een keer te vertellen, samen met haar zelf. Waarom ze zo problemen had de wereld te begrijpen en, belangrijker, waarom de wereld zo´n moeite had om haar te verstaan. En wat voor een 15-jarige zoal uitvluchten zijn: blowen, ruziemaken, jezelf buitensluiten, dusdanig, dat niemand meer toegang tot je heeft of zich om je bemoeit.
Hier ontwikkelt zich heel voorzichtig een waardevolle toestand, waarin kan worden vastgesteld dat het iemand soms domweg niet lukt om ´erbij te horen´.
De tekst schetst echter ook een familiekroniek die inzichtelijk maakt hoe de verschillende rollen verschuiven en opnieuw ingevuld worden wanneer ouders zich meer en meer op de achtergrond terugtrekken of zelfs niet meer aanwezig zijn. Iemand neemt de moederrrol over, iemand verzet zich permanent, iemand geeft lichamelijkheid en liefde, terwijl anderen daartoe niet meer in staat zijn. En iemand verdwijnt.
Het stuk is een filosofische compositie voor vier stemmen. Met grote precisie wordt Liz´ geschiedenis ontrafeld. Waarom neemt iemand drugs? Is dat werkelijk niet te vermijden? Wat is hulp bieden? Wanneer geef je, wat is goed en wanneer is iets te veel?
Terwijl grote thema´s op ons toekomen, die echter niet zwaar worden gemaakt, is dit een waardevolle en zelfs belangrijke tekst. Iedere jongere zal zich op een of andere manier ergens herkennen. Omdat de gestelde existentiele vragen voor iedereen gelden. Omdat de drugsproblematiek niet als cliche wordt neergezet, zelfs toevallig geduid wordt. Omdat het stuk zachtheid en twijfel verbindt.
Opgroeien betekent Strijd, Eenzaamheid en vele vele Vragen. ?Als wäre ich Papier? geeft geen eenduidige antwoorden, toont echter met lichtheid, kracht en precisie waar het heen kan leiden allemaal. En hoe het fout kan gaan...!

 

zum Stückepool 2011

 

 

Preisträger 2010

  

Hauptpreis:

Ad de Bont (NL)

für das Stück

„Anne en Zef“

€ 2.500

Weitere Preise:

Jan Sobrie (B)

für das Stück

„Remember Me“

€ 1.250

Tina Müller (CH)

für das Stück

„8 Väter“

€ 1.250

Holger Schober (A)

für das Stück

„Heimat.com“

€ 1.250

Rudolf Herfurtner (D)

für das Stück

„Das Geschenk des weißen Pferdchens“

€ 1.250

  Anne en Zef / Anne und Zef  (10+)

 von Ad de Bont

   

“Darf ich dich festhalten? Nein. Nur ganz kurz. Nein. Warum nicht? Weil ich dann weinen muss.”

Der Text “Anne und Zef” erweist die Meisterschaft von Ad de Bont. Blutrache in den Albanischer Bergen, die festgelegten Verhaltensmuster und die damit einhergehende Problematik werden gezeigt und nachvollziehbar gemacht. Der junge Zef sitzt eingeschlossen in seinem Haus, weil sein Bruder jemanden aus einer anderen Familie ermordet hat. Nun wird er der Nächste sein. Nach zwei Jahren verlässt er freiwillig sein Gefängnis und wird, natürlich, in Folge einer langen Verkettung erschossen.

Im Himmel trifft er Anne, das durch ihr Tagesbuch berühmt gewordene Mädchen, das gerade unfreiwillig ihre Schutzstätte vor dem Tod wechseln musste. Die zwei jungen Menschen lernen sich auf spielerische Art und Weise kennen, verkraften zusammen die schrecklichen Erinnerungen und trauen sich wieder zu träumen. Letztendlich kosten sie sogar kurz die Liebe.

Die Wahl, diese beiden großen Geschichten zu verknüpfen, ist ebenso überraschend wie genial. Zwei junge, zerbrochene Leben können im Kontext dieses Stückes noch eine Weile weiter träumen, noch einen kleinen Teil der Schönheit dessen, was ihr Leben war, genießen.

Es ist anrührend, den innerlichen und lautwerdenden Streit der beiden, sowie auch den der beiden Eltern Zefs zu hören. Obwohl sie in der Geschichte weniger bedeutend sind, stellen sie ein tragendes Element für den tragischen Ausgang dar. Auch ist ihr Leben voller Träume, die nicht wahr geworden sind.

Kräftige Sätze und Wiederholungen wirken wie Mantras. Die Szenen, zurück- und vorausblickend, reißen sich zusammen und haben einen zwingenden Rhythmus. Er stößt sich quasi fort. Es ist ergreifend, Annes Geschichte zu hören. Sie erzählt dort weiter, wo ihr Tagebuch aufgehört hat. Dies verursacht einen schneidenden Schmerz. Aber durch die leichten spielerischen, revueartigen Nummern Zefs bleibt alles perfekt in Balance.

Der Text ist aufrüttelnd in seinen aufgezeigten Gegensätzen, klar in seinen leidenschaftlichen Darlegungen und humorvoll durch einige fast kabaretthafte Darbietungen. Es ist sorgältig komponiert und ein neuer Höhepunkt in der Karriere von de Bont. Wir können nicht anders, als diesem brillanten, ergreifenden Text den ersten Preis zu geben. “Anne und Zef” ist gegenwärtig und unvermeidlich. Anne und Zef ist eine Ode an Träume, die nie verfliegen.  

 

 

”Mag ik je vasthouden? Nee. Eventjes maar. Nee. Waarom niet? Dan ga ik huilen.”

De toneeltekst Anne en Zef toont het meesterschap van Ad de Bont. Het gegeven van bloedwraak in de Albanese bergen, de vaste patronen en de daaraan gepaarde dilemma’s worden invoelbaar gemaakt. De jonge Zef zit thuis opgesloten omdat zijn broer een lid van een andere familie heeft gedood. Na twee jaar verlaat hij zijn ballingschap vrijwillig en wordt hij, natuurlijk, de zoveelste in de ketting, neergeschoten.

In het hiernamaals komt hij Anne tegen, het door haar dagboek beroemd geworden joodse meisje dat juist onvrijwillig haar schuilplaats heeft moeten inruilen voor de dood. Deze twee jonge mensen verkennen elkaar op een speelse manier, verwerken samen hun heftige herinneringen en durven weer te dromen. En uiteindelijk ruiken ze aan de liefde.

De keuze voor het doorsnijden van deze twee dramatische verhalen is even verrassend als geniaal. Twee jonge geknakte levens die binnen de context van dit stuk nog een tijdje verder kunnen dromen; een fractie van de schoonheid van wat ooit ‘leven’ heette mogen kennen.

Het is ontroerend om de innerlijke en onderlinge strijd van zowel Anne en Zef, alsook die van de ouders van Zef te horen.  Hoewel ‘ondergeschikt’ in het verhaal zijn zij onmiskenbaar een schakel in het tragische gegeven. Ook hun leven zit vol met dromen die niet uitgekomen zijn.

De krachtige zinnen en herhalingen werken als mantra’s. De scènes, terug- en vooruitblikken rijgen zich aaneen en hebben een dwingend ritme. Het stuwt zich voort. Het is aangrijpend Anne’s relaas te horen. Anne vertelt verder waar haar eigenlijke dagboek is gestopt. Het veroorzaakt een bijna snijdende pijn. Maar mede door de lichte speelse ‘nummers’ van Zef  is alles in perfecte balans.

De tekst is  schrijnend in zijn getoonde tegenstellingen, helder in de hartstochtelijke betogen  en kwiek en humorvol door de bijna cabareteske uiteenzettingen van Zef. Het is zorgvuldig gecomponeerd en een nieuw hoogtepunt in het oeuvre van de Bont. We kunnen niet anders dan deze briljante aangrijpende tekst de eerste prijs geven. Anne en Zef is hedendaags en onontkoombaar. Anne en Zef is een ode aan dromen die nooit vervliegen.

 

 

Remember Me 

 

von Jan Sobrie

   

“Wenn Leute im Schwamm sitzen fangen sie an zu trampeln. Aber je härter sie trampeln, desto weiter sinken sie.”

„Remember me“ ist die furchterregende Geschichte des Mädchens Mira. Der sture Cedric hält sich selbst für unbesiegbar. Er beleidigt sie äußerlich, verwundet sie innerlich, vergewaltigt sie mit Wort und Tat. Mira kann dem nicht entfliehen.

Das Tagebuch des leicht behinderten Mädchens Mira ist Futter für Spott und Mobbing. Aber sie wehrt sich nicht. Es scheint, als ob sie alles kommen lässt wie es kommt und als ob sie alles von sich abprallen lässt. Damit kommt das Unvermeidliche immer näher. Aber als sie nach einer furchtbaren Misshandlung ihr Gedächtnis verliert, kommt auch die Umkehrung. Denn sie hat keine Erinnerungen mehr und kann dem Täter richtig in die Augen schauen und ihn befragen und konfrontieren. Das wirkt läuternd und geht auf eine überraschende Auflösung zu.

„Remember me“ bringt die Fantasie auf Touren. Es ist ein gruseliges und grausames Märchen, gleichzeitig aber äußerst faszinierend. Durch den fortgehenden Rhythmus der Worte liest es sich wie einen Schnellzug. Es ist dynamisch, dämonisch, äußerst theatralisch. Und vor allem auch sehr spannend.

Es scheint, als ob sich moderne Texte für ältere Kinder immer mehr mit Aggressionen und der harten Realität beschäftigen. Man geht dem Äußersten nicht mehr aus dem Weg. Aber nur hart oder heftig ist nichts. Nur wenn Schönheit nicht verloren geht, der Ablauf nicht voraussehbar ist und Trost zwischen den Worten lebt,  kann man von einem gelungenen Text sprechen. „Remember me“ ist dafür ein hervorragendes Beispiel.

Jan Sobrie hat wieder einen total eigenen und eigensinnigen Text geschrieben. Nach seinem letzten Monolog Titus, dem Preisgewinner aus 2009, verdient dieser neue Text wieder einen Preis. Ein großes Talent das, wenn man uns fragt, mittlerweile unter die Großen gehört.

Starker Trumpf des Stückes sind die zwei Krähen Febe und Verona. Sie sind das Schicksal, und in ihrer fast unauffälligen Anwesenheit sind es wundervolle Hellseher. Wenn sie am Schluss beschreiben, wie die Personen alt werden und sterben werden, wissen wir, dass das Gute gewinnt, und dass Trost gekommen ist. In Form dieses fabelhaften und innovativen Textes.  

 

 

“Als mensen in het moeras zitten beginnen ze te trappen. Maar hoe harder ze trappen, hoe verder ze zinken.”

Remember me is het angstaanjagende verhaal van het meisje Mira. De stoere Cedric acht zichzelf onoverwinnelijk. Hij belaagt haar uiterlijk, verwondt haar innerlijk, randt haar aan met woord en daad. Mira kan niet ontsnappen.

Het dagboek van het licht gehandicapte meisje Mira is voer voor spot en pesterijen. Maar ze verweert zich niet.  Het lijkt of ze alles van zich af laat glijden, en daarmee het onvermijdelijke einde steeds dichterbij komt. Wanneer ze na een vreselijke mishandeling haar geheugen kwijtraakt, komt ook de ommekeer. Want daarna heeft ze geen herinnering aan het afschuwelijke en kan ze de dader rechttoe confronteren en bevragen. Dat werk louterend en werkt toe naar een verrassende ontknoping.

Remember me laat verbeelding op volle toeren werken. Het is een grillig en gruwelijk sprookje, maar tegelijkertijd ook fascinerend. Door het voortschrijdende ritme van de woorden leest het als een trein. Het is dynamisch, uiterst theatraal en vooral ook enorm spannend.

Sterke troef in het stuk zijn de twee kraaien Febe en Verona. Zij staan voor het noodlot, zijn de magische redders en in hun bijna nonchalante aanwezigheid zijn het prachtige helzieners. Wanneer zij aan het slot beschrijven hoe de levens van de personages zullen gaan aflopen, weten wij als lezer dat het goede overwint, en is de troost gekomen in de vorm van deze schitterende en vernieuwende toneeltekst.

Hedendaagse teksten voor oudere kinderen houden zich steeds nadrukkelijker bezig met harde agressiviteit en gaan uitersten niet meer uit de weg. Maar enkel wanneer de schoonheid niet verloren gaat, het verloop niet voorspelbaar is en er troost schuilt tussen de woorden, kunnen we spreken van een geslaagde tekst. Remember me is daar een goed voorbeeld van.

De Vlaamse theatermaker Jan Sobrie heeft weer een totaal eigen, zinnige en eigenzinnige bijdrage geleverd aan de Nederlandstalige toneelliteratuur. Na zijn vorige prijswinnende monoloog ‘Titus’ krijgt nu deze tekst verdiend een prijs. Een groot talent dat zich hiermee wat ons betreft tot de gevestigde orde mag rekenen.  

 

 

8 Väter 

 

von Tina Müller

   

Es gibt ein verbrieftes Menschenrecht auf die Kenntnis der eigenen Vorfahren.

Und so will auch das Mädchen Nico wissen, wer ihr Vater ist, obwohl Mutter Rosa beschlossen hat, dass dieser Mann es nicht wert sei, von der Existenz der gemeinsamen Tochter zu erfahren. „Er wusste ja nicht, dass es mich gibt. Und deshalb hat er auch nie nach mir gesucht.“, tröstet sich Nico und macht sich ihrerseits auf die Suche nach ihrem Erzeuger.

Nicht, dass sie keine Alternativen hätte! Da ist Marudur aus Sri Lanka, mit dem Nico als Ersatzpapa vollkommen einverstanden ist, von dem Mama sich aber wieder trennt, dann Mutters Geliebter Bernt, dann Samanta, ihre Lebensabschnittsgefährtin, dann... Nico wird das zu bunt. „Ich lasse mich von euch scheiden!“, sagt sie und weiter geht die verzweifelte Suche nach Geborgenheit.

„Familie ist ‚ne Utopie“, lässt die Autorin eine ihrer Figuren sagen und fast möchte man verzweifeln angesichts von Nicos vielen Fehlversuchen, endlich die Bilderbuchfamilie zu finden. Wenn da nicht der Humor wäre, mit dem  die situative Härte immer rechtzeitig abgefedert wird! Wenn da nicht der feste Glaube an die Kraft des Kindes wäre, auch in der skurrilsten Mutter noch die beste von allen zu sehen, der man nicht entkommen kann! Wenn da nicht der Trost wäre, dass man offene Fragen  - wenn auch nicht heute, so doch irgendwann einmal - beantworten kann! Wenn da nicht das versöhnliche Ende wäre, an dem Nico feststellt: „Ich hab es gut. Mit meinen vielen Vätern.“ So wird der Zerfall der Kleinfamilie weder geleugnet noch beschönigt, aber ihm wird das Bedrohliche genommen.

Der Autorin Tina Müller ist mit diesem Stück voller beeindruckender Erzählkraft und Imagination ein überraschender Beitrag gelungen – ein Text zu einem der Hauptprobleme unserer Zeit, ein Text auf der Gratwanderung zwischen Tragödie und Mutmachtheater im besten Sinne.

 

 

Heimat.com 

 

von Holger Schober

   

Es beruht das Stück „Heimat.com“ auf einer wahren Begebenheit. Auf vielen wahren Begebenheiten, den Flüchtlingsschicksalen nämlich, die sich hier und heute in unserem Land vollziehen. Als Verwaltungsakt gegenüber Menschen, die unter uns wohnen und mit uns aufgewachsen sind.

Ein zeitnahes Stück, ein politisches Stück also, das Holger Schober vorlegt. So normal nun allerdings die bundesrepublikanische Abschiebepraxis uns vorgehalten wird, umso außergewöhnlicher demgegenüber die Handlung des Stücks, die sich daraus ergibt. Denn Amira F. gelingt es ihr eigenes Elend, ihr Opferdasein, via Internet und Fernsehen multimedial zu vermarkten.

Außerdem – „Das Stück spielt auf der Homepage von Amira F.“ – wird mit dieser Regieanweisung eine formale Herausforderung an die Inszenierung vorgegeben. Sie jagt Leser, Schauspieler und Zuschauer wütend auf die Tour de Force der Amira F., in der einem der Atem stockt oder vor Entsetzen das Lachen im Halse stecken bleibt.

Ein neuer erfindungsreicher Theateransatz, ein bewegendes Stück zeitgenössischer Literatur und ein politisches Lied, das wir hören müssen; ein Racheakt gegen die Perversion der medialen Unterhaltungsindustrie und eine starke Aufforderung angesichts dieses heimatlichen Wahnsinns Menschlichkeit zu bewahren.  

 

 

 

Das Geschenk des weißen Pferdchens (6+)

 

von Rudolf Herfurtner

   

 

Es besitzt die Magie eines Märchen, das Geheimnisvolle, eine Kunde aus fernen Landen, die scheinbare Leichtigkeit und die offenkundige Lebendigkeit, die allen Menschheitslegenden zueigen ist.

Das Stück „Das Geschenk des weißen Pferdchens“ von Rudolf Herfurtner schildert eine Geschichte in einer Geschichte. Zum einen das Leben und Schicksal des Mongolenkindes Tasi, das in armen und bescheidenen Verhältnissen in einer Jurte, umgeben von Pferden, in einer weiten Steppenlandschaft aufwächst. Zum anderen erzählt ihm sein Großvater die bewegende Geschichte des Jungen Suhe und seines Pferdchens, eine traurige und gleichzeitig auch beglückende Mär.

Es liegt ein großer Trost in diesem Stück, die Kraft und aller Ansporn, mit den Ungerechtigkeiten des Daseins und den Unbillen des Lebens fertig zu werden – stark sein zu können.

Darin besteht die unanzweifelbare Meisterschaft Rudolf Herfurtners, dass er vorgeblich mühelos und leicht der Seele eines Kindes zu schmeicheln vermag. Seine Kunst als Dramatiker bringt es mit sich, dass er mit „Das Geschenk des weißen Pferdchens“ eine vollendete, abgerundete, quicklebendige Bühnenerzählung schafft. Seine ganze poetische Kraft widmet er: Kindern – und denen, die es zu bleiben vermögen.

 

zum Stückepool 2010

 

 

 

Preisträger 2009

 

6 gleichwertige Preise (€1.250):

Jorieke Abbing (NL) für das Stück „Beste Sneeuw“

Conrad Dorer/Helen Hahmann (D) für das Stück „Die goldene Nuss“

Tom Dupont (B) für das Stück „Christophe en Willy“

Kerstin Hensel (D) für das Stück „Ich will das rote Sefchen küssen“

Gijsje Kooter (NL) für das Stück „Stuk“

Eva Rottmann (D) für das Stück „Eidechsen und Salamander“

   

hier die Begründungen der Jury:

 

Beste Sneeuw /Es schneit Eiderdaunen – Jorieke Abbing
dt. Übersetzung: Monika The

 Es schneit Eiderdaunen erzählt die Geschichte des achtjährigen Mädchen Pomme, die sich ‘zerquetscht’ sieht in einer unglücklichen, erstickenden Situation: die Trennung ihrer Eltern. Ihre Mutter hat ihren Vater aus dem Haus geworfen. Er sucht sein Heil im Alkohol und wohnt vorübergehend in einer Ferienwohnung. Pomme besucht ihn regelmäßig, obwohl ihre Mutter dagegen ist. In ihrem Versuch, die Ehe ihrer Eltern zu retten, unternimmt das Kind immer größere Maßnahmen, die aber beinah fatal für sie selbst ausgehen.

 Jorieke Abbing beschreibt in Es schneit Eiderdaunen die Ohnmacht des Kindes, das mit der Trennung seiner Eltern umgehen muss, beeindruckend und besinnlich. Die Sprache ist klar und einfach, höchst originell und treffend. Der Schmerz von Pomme und ihren Eltern ist spürbar und nachvollziehbar. Das Stück verlangt eine sehr schöne und schlichte Inszenierung. Aber die Einsamkeit des Mädchens ist nicht nur anrührend. Darüber hinaus ist das Stück auch sehr leicht und gefühlvoll. Es schneit Eiderdaunen ist ein Theatertext einer jungen, talentierten Autorin, die jetzt schon einen eigenen Stil zeigt. Ein Theatertext, in dem schwer benennbare Gefühle in klare Worte gefasst werden. Ein wertvolles Stück, für Kinder und Erwachsene.

 Beste Sneeuw vertelt het verhaal van het achtjarige meisje Pomme, dat ‘klem’ zit in een ongelukkige, verstikkende situatie: de scheiding van haar ouders. Haar vader is door moeder het huis uitgezet, zoekt zijn heil bij de alcohol en bivakkeert in een vakantiehuisje. Pomme gaat regelmatig bij hem op bezoek, hoewel haar moeder daar erg op tegen is. In haar poging het huwelijk van haar ouders te redden neemt het kind steeds drastischer maatregelen, die haar zelf uiteindelijk bijna fataal worden.

 Jorieke Abbing weet de onmacht van het kind dat moet ‘dealen’ met de scheiding van de ouders, in Beste Sneeuw indringend en ingetogen te verwoorden. De taal is eenvoudig, origineel en raak. Als lezer is het verdriet van Pomme en haar ouders zeer invoelbaar en de woorden van Jorieke Abbing doen verlangen naar een mooie, sobere enscenering. Maar de eenzaamheid van Pomme die houvast zoekt bij ‘de dingen’ om haar heen, is niet alleen ontroerend. Het is sprankelend en vol humor. Beste Sneeuw is een theatertekst van een jonge getalenteerde schrijfster, die blijk geeft van een zeer eigen stijl. Een theatertekst waarin onnoembare gevoelens in eenvoudige woorden worden gevat. Een waardevol stuk, zowel voor kinderen als voor volwassenen.

 

Christophe en Willy/Christoph und Willy – Tom Dupont

 

Ein herrlicher Theatertext über einen Vater, einen Sohn und einen Agenten. Der junge Christophe hat einen großartigen Vater, Willy. Sein Held. Sein Fussballheld. Nein, vom ganzen Land war er der Fussballheld. War er. Denn er ist heutzutage leider nicht in der Lage, immer noch ein Held zu sein. Er ist nämlich, ist das eigenlich wichtig zu sagen...? Ich erzähl es trotzdem... im Gefängnis. Aber egal. Das ist nur vorrübergehend. Kann immer wieder anders werden. Oder? Sag ‘ja’...! Und Christophe ist Nachfolger seines Vaters, mit genau denselben Fähigkeiten und Chancen. Oder...? Eh... ‘ja’. Egal. Er wird seinen Vater nicht enttäuschen!

 Dieser humorvolle, mitreißende Text von Tom Dupont beschreibt, ganz klar und mit viel Mitgefühl, den Niedergang eines Sohnes, der an seinen Vater glaubt, daran aber nicht länger festhalten kann. Wie jemand sich vom Helden zur Nullnummer entwickeln kann. Es ist ein schneller, witziger und unglaublich liebevoll geschriebener Text. Dupont beschreibt in aller Einfachheit den Weg, den dieser Junge gehen muss. Der Text ist ebenso peinlich wie rührend, und in seiner Leichtigkeit ebenso schön. Wir alle hatten mal Träume, die zerbrochen wurden. Für jedes Kind ist einmal die schreckliche Nachricht eingetroffen, dass der Nikolaus nicht wirklich existiert. Grausam, aber allen Ernstes... unvermeidlich. Genau wie dieser Text.

 Een heerlijke theatertekst voor een zoon, een vader en een agent. De jonge Christophe heeft een geweldige vader, Willy. Zijn held. Zijn voetbalheld. Nee, de voetbalheld van de ganse natie was hij. Was hij. Want vandaagdedag is het helaas niet mogelijk die heldenrol te evrvullen. Hij is namelijk, maar dat doet er eigenlijk niet toe nu, maar ik vertel het toch maar even... in de gevangenis. Maar doet er niet toe. Daar is ‘ie zo weer uit. Kan altijd weer teruggedraaid worden. Toch? Zeg ‘ja’. En Christophe is zijn opvolger, met precies dezelfde kwaliteiten en kansen. Toch? Eh... ja. Doet er niet toe. Hij zal zijn vader niet teleurstellen.

 Deze humorvolle, meeslepende tekst van Tom Dupont beschrijft heel helder en met veel (mee-)gevoel de teloorgang van een zoon die in zijn vader wil blijven geloven, maar het niet meer volhouden kan. Over hoe je van een held tot een nul kunt verglijden. De tekst is snel, geestig en met verschrikkelijk veel liefde neergeschreven. De neerwaardse spiraal waarlangs de geschiedenis glijdt is evenzo pijnlijk als ontroerend beschreven, en van een wonderschone lichtheid. We hebben allemaal dromen zien vervliegen. Voor elk kind kwam ooit de vreselijke mededeling dat Sinterklaas niet bestaat. Tragisch, maar onvermijdelijk. Net zoals deze theatertekst.

 

Die goldene Nuss – Conrad Dorer/Helen Hahmann

 

Die spannende Abenteuerreise eines EichhornHelden schildern uns Conrad Dorer und Helen Hahmann in ihrem fulminanten Kinderstück „Die goldene Nuss“. Eine Fabel ebenso sehr wie eine fabelhafte Erzählung. Die Handlung und deren Dramaturgie sind altbekannt und dem Fundus der internationalen Erzählkunst leicht zu entnehmen. Der Held, der materieller Armut entkommen muss, verdingt sich beim Reichen, um in dessen Auftrag den Stein der Weisen, die blaue Blume oder hier: die goldene Nuss zu erringen. So weit, so bekannt.

 Was das Theaterstück in seinem Charme weit über das Niveau einer gewöhnlichen Geschichte hinaushebt, ist zweierlei: zum einen wird eine durch und durch politische Geschichte erzählt, zum zweiten sprüht das Stück vor Sprachwitz.

Die Gier nach der goldenen Nuss kennen wir alle. Ebenso die Gemeinheiten, Ungerechtigkeiten und Betrügereien des Alltags. Wenn uns Erwachsenen mit diesem Stück unsere Lebenswirklichkeit auf satirische Weise nahegebracht wird, wenn den Kindern ein lehrreiches Märchen mit gutem Ausgang erzählt wird, so ist zu vermuten, dass dieses Theater jung und alt gleichermaßen aber: nicht auf der gleichen Erzählebene ansprechen kann. Tatsächlich handelt es sich bei unserem Theaterstück, das tierische Charaktere in sehr menschlichen Zügen auftreten lässt, um eine satirische Erzählung, einer, die Kindern den Spaß an der Handlung, den Figuren und deren gereimter Sprache erlaubt und den Erwachsenen ein Vergnügen bietet, das Kinder noch nicht verstehen müssen. Für die Kinder gibt es also ein Geheimnis, das ihnen die Erwachsenen erklären müssen….

Die größte Stärke des Stückes beruht jedoch auf seiner Sprachmacht. Es erzählt sich in Reimen, in einer kunstvollen Verserzählung, die vielfältige Rhythmen kennt, vorführt und zur Entfaltung bringt. Ein irrwitziges Spektrum an literarischen Assoziationen tut sich auf, einerseits dem Traditionskanon deutschen Sprachguts entnommen, zum anderen neu geschöpft aus dem Fundus der zeitgenössischen Alltagssprache. Allein die Wort-, Reim- und Gedichterfindungen wären das Stück wert. Man kann der Sprache, den ihr innewohnenden Melodien, Klängen, Rhythmen nachlauschen.

„Die goldene Nuss“ erweist sich als sehr gelungener Versuch, auf witzige Weise eine Abenteuergeschichte zu erzählen, die Politik für Kinder und Erwachsene auf brauchbare Art anschaulich macht. Witz, Sprachmacht und Musikalität lassen dieses Experiment gelingen – zu wünschen wäre dem Stück eine Inszenierung, die der Gefahr, sich im phantasieblühenden Sprachdschungel zu verlieren, Herr wird.

 

Eidechsen und Salamander – Eva Rottmann

 

Eine Kleinstadt, „unbedeutend und wahrscheinlich in Deutschland“, so skizziert Eva Rottmann den Schauplatz ihres Teenager-Dramas, das sich um Samantha, genannt Sam, die Hauptperson und Heldin entfaltet.

Bedeutend aber ist der Text, den Eva Rottmann uns mit der Bühnenerzählung „Eidechsen und Salamander“ schenkt. Sein Titel Eidechsen und Salamander verdankt sich der Anspielung auf die Wechselfälle der Gefühle und die Wandlungen des Lebens, die wir alle aus unserer Pubertät kennen und die sich beispielhaft und exemplarisch im Stück spiegeln.

Samantha hat nicht nur die Freuden und Leiden der Liebe, die Schwierigkeiten des Cliquenalltags oder die Auseinandersetzungen mit den Eltern zu bestehen. Sie, wie die anderen ihrer Clique, Mona, Hanna, Marco und Paul, müssen lernen, mit ihren eigenen Abgründen zu leben, die sich in ihren Begegnungen auftun.

 Diese Abgründe jedoch werden im Text nicht benannt und deshalb nicht als Plattitüde entfaltet. Sie entfalten sich jenseits des Gesagten, jenseits des Ausgesprochenen. Wir erspüren sie aus den Andeutungen, die die Bühnenfiguren machen, wir erleben deren Gefühlszustände gerade und über die Leerstellen, die deren Handeln und Reden aufweisen.

Darin liegt die Qualität des Textes, darin liegt die Qualität des Stückes, dass Eva Rottmann als Autorin ihre Bühnenfiguren nicht alles ausagieren und aussprechen lässt. Sie setzt in Sprache und Gestus auf eine ganz eigene Form der Reduktion, die Platz schafft für eine großartige Inszenierung und dafür, dass sich jenseits der Sprache Gefühlsebenen auftun können, die uns als Zuschauer in ihren Bann ziehen.

 Ein schöner, stilisierter Text, einfach und zugänglich in seiner Sprache, sehr intelligent erzählt; eine Übersetzung in die "Nichtigkeit" von Jugendlichen. Schön, wie die Eltern im Stück beschrieben sind, die es gut mit ihren Kindern meinen und vor der Aufgabe stehen, ihre Kinder loslassen zu müssen. Schmerzhaft, aber auf geradezu magische Weise erfahren wir etwas über das Abbrechen von Freundschaften, den Untergang von Zukunftsplänen, von Talent und Ambition. Und dies, ohne dass die Geschichte im Ganzen sauertöpfig, depressiv oder negativ wirkte.

 Eva Rottmann ist es gelungen ein Stück zu schaffen, das durch die eine und eigenständige Sprache und eine leise und unaufdringlich daherkommende Handlung überzeugt. Und weil das Drama der Pubertät sich überall und jederzeit wiederholt, wird das Stück in seiner literarischen Qualität die Zeit überdauern.

  

Ich will das rote Sefchen küssen – Kerstin Hensel

 

Der „vermaledeite Abbé Daulnoy“ dozierte im Düsseldorfer Lyzeum französische Sprache und verleidete mit einem Mix aus katholischer Frömmelei und preußischem Drill dem jungen Harry Heine die Poesie. Tief berührte den dagegen die Begegnung mit „Sefchen“, der Scharfrichterstochter Josefa mit den roten Locken und der weißen Haut. „Sie hatte gewiss den größten Einfluss auf den erwachenden Poeten“, sagt Heine selbst, „so dass meine ersten Gedichte ‚Die Traumbilder’ ein düsteres und grausames Kolorit hatten wie das Verhältnis, das damals seine blutrünstigen Schatten in mein junges Leben und Denken warf“.

Ein „düsteres Kolorit“ geben aber auch die Zeitläufe ab, wenn ehemalige Ordensgeistliche den Kindern mittels Schwarzer Pädagogik die Liebe und die Zärtlichkeit verunglimpfen und sie zu verlogenen bigotten Denunzianten, zu autoritären Duckmäusern und Judenhassern erziehen und somit den Boden bereiten für Faschismus und Holocaust, dem auch der Jude Heine zum Opfer gefallen wäre.

 All dies zu wissen ist selbstverständlich nicht Voraussetzung für den unmittelbaren Genuss, den die Rezeption des Stückes von Kerstin Hensel auf mehreren Ebenen bereitet, bestätigt ihn aber: Hier wird die Liebe zur Poesie auf kunstvolle Weise mit Geschichtskenntnis und pädagogisch-analytischem Scharfblick verwoben, und das auf höchstem sprachlichen Niveau und sehr unterhaltsame Weise.

 Das Stück gewährt uns einen skurril verfremdeten Einblick in Heines Schulzeit: Josefa, wie Harry eine Ausgestoßene, verbündet sich gegen die prügelnde Priester-Lehrer-Allianz und die mobbenden Mitschüler mit dem jungen Quertreiber und Gedanken-Revoluzzer, der der Obrigkeit ständig ein Dorn im Auge ist, und beide geraten als Schüler-Liebespaar mit erotischen Phantasien und als kindliche Visionäre mit  bangen Ahnungen in Bezug auf die Gefahren der autoritären Erziehung ins Kreuzfeuer der Pädagogen.

Mit der gelungenen Mischung aus eigenen Texten, gekonnten Rap-Passagen, religiösen Beschwörungsformeln und original Heineversen schafft das Stück eine dichte Atmosphäre, die den Zuschauer gleichsam gruselt, unterhält und aufklärt. Am Ende wird er jäh aus der Geschichte herausgerissen und mit dem rüden Unverständnis heutiger Jugendlicher konfrontiert, die damit eine Auseinandersetzung über die poetische Überlieferung provozieren.

Ein großes Stück Jugendtheater für ein großes musikalisches Ensemble.

 

STUK/STÜCK – Gijsje Kooter

 

Acht Jugendliche auf einer Bühne. Acht Charaktere. Oder nicht? Spielen sie eine Rolle oder sind sie sie selbst? Drei Teile. Scheinbar nicht verbunden, aber dennoch mit großer Verwandtschaft. Acht Jugendliche zeigen, spielen, nein... ‘sind’... jung, alt... anders. Acht Jugendliche behandeln große Themen, aber reden nicht darüber. Acht Jugendliche reden, prickeln, hören zu, begehren auf, verwunden und verwundern.

 

Gijsje Kooter hat einen einmaligen Text geschrieben. ‘Stück’ liefert eine haarscharfe Analyse einer Zeit, die nicht anders als ‘Heute’ gedeutet werden kann. Mit aktuellen Anlässen neben erfundenen Situationen, aber immer wiedererkennbar, spielt die Autorin ganz präzise mit Form und Stil. Die alltägliche Realität wird in eine wundervolle, konkrete, aber auch fast surrealistische Welt gegossen. Endlich ein Text, der die Jugendlichen nicht von außen beschreibt oder einen lähmenden Alltag zeigt, aber ein Text, der dennoch unter die Haut der Kinder geht. Jugendliche, die ihre Situation verstehen und erfassen wollen, ohne dass es schwer oder schwarz wird. Im Gegenteil. Pubertäre Ausschweifungen dürfen sein. Du darfst träumen, du darfst dich größer zeigen, als du bist. Aber du darfst auch noch ganz normal ‘Kind’ sein.

 

Acht jongeren op toneel. Acht personages. Of niet? Spelen ze een rol of zijn ze zichzelf. Drie delen. Schijnbaar losstaand, maar toch verwant met elkaar. Acht jongeren spelen, tonen ‘zijn’ jonger, ouder, zijn anders. Acht jongeren behandelen grote thema’s maar hebben het er niet over. Acht jongeren praten, prikkelen, luisteren, dagen uit, verwonden en verwonderen.

 

Gijsje Kooter heeft een unieke tekst geschreven. Stuk geeft een haarscherpe analyse van een tijd die niet anders als ‘vandaag’ kan worden aangeduid. Met recente actuele gebeurtenissen naast verzonnen situaties, maar altijd herkenbaar speelt de schrijfster met taal en vorm. Uiterst integer, uiterst consequent. De dagelijkse realiteit in een wonderlijk concrete en toch bijna surreële wereld gegoten. Eindelijk eens een tekst die onder de huid van de jongeren zelf gaat zitten en hen niet van buitenaf beschrijft. Net zoals de jongeren grip op zichzelf of hun situatie proberen te krijgen, zonder dat het zwaar of zwart wordt. Puberale uitspattingen mogen bestaan. Maar altijd met lichte humor beschreven. Je mag dromen, je mag je groter voordoen dan je bent, maar je mag ook ongebreideld ‘kind’ zijn.

 

zum Stückepool 2009

 

 

 

Preisträger 2008

 

1. Preis

DE KOPVOETER 

von Esther Gerritsen

Künstlerin Lena liegt in ihrem Zimmer. Sie ist zynisch und flucht mehr als sie redet. Sie ist völlig gelähmt von den Zehen bis zu den Schultern. Ihre Schwester Rosa und Pfleger Kristof besorgen ihr alles, was sie braucht, aber sie kriegen gleichzeitig unglaublich wenig Anerkennung für alles, was sie für Lena tun und lassen. Lena malt mit ihrem Mund Objekte aus dem Raum, in dem sie Tag und Nacht verbringt. Sie ist erfolgreich, will aber nicht, dass in der Außenwelt bekannt wird, dass sie behindert ist. Sie hat das Imago von dieser unbekannten, mysteriösen Künstlerin und ihr Geheim soll sorgfaltig bewahrt bleiben. Doch dann wird der angestammte Briefträger durch eine Aushilfe ersetzt. Mit einer aggressiven frechen Haltung bringt er alle bestehenden Konventionen durcheinander und die stille Vereinbarung zwischen Lena, Kristof und Roza wird jäh zerstört. Das darunter liegende System von Abhängigkeit, Zwang und Verantwortlichkeit wird peinlich offenbar.

Der Kopffüßler von Esther Gerritsen ist ein unglaublich beeindruckender Theatertext, in dem mit Humor und Intelligenz das komplexe Verhältnis zwischen vier Leute entfaltet wird. Sie hat wunderschöne Charaktere erschaffen, die alle vier eigenständig zum Reiz des Stückes beitragen.

Die Monologe und Dialoge sind frisch und klar, voll bitterer Wahrheiten. Sie zeigen  Bilder von Menschen, die versuchen, den Anderen auszuschließen, die dabei aber deren Identität entlehnen und versuchen unantastbar zu bleiben. Die sichtbaren und unsichtbaren Beschränkungen der Menschen stehen als zentrale Aussage und der Leser fragt sich immer wieder, wer denn nun im Stück den Kürzeren gezogen hat. Hart, peinlich, leicht… und wiedererkennbar.

Kunstenares Lena ligt scheldend en vol cynisme in haar kamer. Ze is volledig verlamd van haar tenen tot haar schouders. Haar zus Roza en verpleger Kristof zorgen voor alles wat ze nodig heeft en krijgen tegelijkertijd weinig waardering voor alles wat ze voor Lena doen en laten. Lena schildert met haar mond objecten uit de ruimte waarin ze dag en nacht verkeert. Zij wil niet dat het in de buitenwereld bekend wordt dat ze zwaar gehandicapt is, heeft een image opgebouwd van de onbekende, mysterieuze kunstenares en dit geheim moet haar zus zorgvuldig bewaren. Dan wordt de vaste postbode vervangen door een vakantiekracht. Met een agressieve lompheid breekt hij dwars door alle conventies heen en zo wordt het stille verbond tussen Lena, Roza en Kristof ruw verstoord. Systemen van onderlinge afhankelijkheid, dwang en eigen verantwoordelijkheid worden pijnlijk helder.

De Kopvoeter van Esther Gerritsen is een indrukwekkende en intelligente theatertekst waarin met de nodige humor de complexe verhouding tussen vier mensen uiteen gerafeld wordt. Zij heeft met deze tekst een aantal prachtige personages neergezet, die volledig in staat zijn om de complexe verhoudingen in De Kopvoeter te dragen.

De monologen en dialogen zijn helder van taal, vol bittere waarheden en geven een sterk beeld van mensen die proberen de ander buiten te sluiten, hun identiteit aan de ander te ontlenen en zelf onaantastbaar te blijven. De zichtbare en onzichtbare beperkingen van de mens staan centraal en je vraagt je als lezer steeds meer af wie er eigenlijk het slechtst aan toe is in het stuk. Hard, pijnlijk, licht… en herkenbaar.

 

 

3 gleichwertige 2. Preise

 

Next Level Parzival

von Tim Staffel

 

Eine Jugendclique unterschiedlichster Charaktere findet ihren Zusammenhalt in ihrer Formation als Clan, der gemeinsam die virtuelle Welt eines Fantasy Computerspiels bewohnt, das zu Land und Zeit des Hofs König Artus spielt. Jeder einzelne verfügt dabei über einen Avatar, der seine Identität in den virtuellen Raum hinein erweitert. Als der Clan sich in seinem spielerischen Tun mit einer unerwartet auftauchenden Gestalt, Parzival, konfrontiert sieht, die sich nicht an vorgegebene Regeln hält und halten kann, führt dies zu erheblichen Irritationen und persönlichen Krisen. Auf virtueller wie realer Ebene. Was tun, wenn Du mit Rang, Prestige auch gleichzeitig deine Freunde einbüßt? Was tun, wenn Vorstellungen über das eigene Selbst sich als nichtige Hilfskonstruktionen erweisen und wie weiter, wenn alte Regeln des Zusammenlebens ihre Gültigkeit verlieren und die neuen noch nicht gefunden sind?

 

Niemand existiert nunmehr nur an dem Ort, wo er sich gerade aufhält. Es ist ein hochkomplexes, in der Vieldeutigkeit seiner spielerischen Ebenen nicht eben einfach zu erschließendes Theaterstück, das uns Tim Staffel mit „Next Level Parzival“ präsentiert. Seine Erzählung greift einerseits in seiner formalen Struktur auf die Vielfältigkeit unseres mittlerweile durch und durch mediatisierten Alltags zu, während er, inhaltlich mehrspurig, jugendlichen Alltag mit ausgewählten Momenten des Parzival-Epos verknüpft.

Ein schlaglichtartiges Ausleuchten der Identitätskonstruktionen Jugendlicher, ein kunstvoll gewirktes Spiel um Regelverwirklichung und Regelverletzung, ein vorzügliches, anspruchsvolles Bühnenabenteuer, das die Auswirkungen des Regelverlustes auf das einzelne Individuum und dessen Persönlichkeit farbig und vielfältig zu schildern vermag. Eine adäquate Spiegelung unserer Zeitläufe und eine Riesenherausforderung an eine kraftvolle Regie und ein großes engagiertes Ensemble.

 

 


 

Jihad Mon Amour

von Edzard Schoppmann

 

Das Stück „Jihad Mon Amour“ von Edzard Schoppmann ist eine bissige theatrale Collage, die mit satirischen Mitteln die mitunter sehr harten und auch sehr grausamen Lebensschicksale von Migranten in nacherlebbare Form bringt. Mehrsprachig wie die bundesrepublikanische Wirklichkeit selbst startet das Stück goethegleich mit einem durchaus skandalträchtigen Prolog im Himmel, bei dem sich ein islam-fundamentalistischer Glaubenskämpfer um die ihm zustehenden paradiesischen Jungfrauen bemüht macht. Leider ohne Erfolg. Der weise religiöse Führer, eine islamischen Erzählungen entliehene Bühnenfigur, wird ihn im Verlauf eines fulminanten, durch spritzig-spitze Dialoge gekennzeichneten Verwandlungsparcours dahin führen, wo ihm gewährt wird, wonach wir alle uns sehnen: Liebe auf Erden.

 

Mit seinem satirischen Text „Jihad mon amour“ schuf Edzard Schoppman nicht nur ein humorvolles, hochaktuelles Stück für spielwütige Schauspieler, sondern auch eine dem innewohnende philosophische Auseinandersetzung über religiöse Fragen. So hart die Wahrheit über das Leben und das Schicksal der Menschen ankommt, das geprägt sein kann von Unterdrückung, Flucht, Krankheit und Tod: wir finden die Kraft, dies auszuhalten und allem zum Trotz unsere Menschlichkeit nicht zu verlieren. Ein faszinierendes Stück Theater - für drei Personen –und: ein überzeugendes Plädoyer für die hassüberwindende Liebe.

 

 

APOCALYPSO 

von Jibbe Willems

ApoCalypos spielt sich ab im Armageddon auf der Strasse. Der Tag des Urteils ist nah und Junkies, Huren, Zuhälter und die Looser der Welt stehen da und schauen es sich an. Tote Tauben fallen mit zunehmender Regelmäßigkeit aus der Luft. Jesse, ein Hurensohn, beschließt an diesem Tag seinen heimlichen Wunsch endlich wahr werden zu lassen und die Welt zu retten. Aber anscheinend will kein Mensch gerettet werden. Stattdessen lediglich prophetische Intermezzi verschiedener Passanten, es scheint niemandem etwas auszumachen. Verlangen. Verlust. Verlorenheit.

ApoCalypso ist der erste große Text des Neulings Jibbe Willems. Der Text erscheint sehr filmisch. In kurzen, oft absurden Szenen `zappt' der Leser durch eine irrsinnige Welt, die sich rasch ihrem Ende nähert. Der Text ist roh, grob und manchmal auch banal. Dann wieder poetisch und verletzlich. Mit der aus den Fugen geratenden Welt scheint auch der Text ab und zu die Richtung zu verlieren. Aber letztendlich ist ApoCalypso gewaltig, absolut originell und liest sich, als ob der Autor einen kochenden Vulkan in sich hat und durch die Sprache einen Strom an Feuer, Gewalt und Liebe ausspeiht. Beeindruckend.

 

ApoCalypso speelt zich af in het armageddon van de straat. De Dag des Oordeels nadert en junkies, hoeren, pimps en paupers staan erbij en kijken er naar. De dode duiven vallen met een steeds grotere regelmaat uit de lucht. Jesse, een hoerenzoon besluit op deze dag zijn sluimerend voornemen in daden om te zetten en de wereld te gaan redden. Maar het lijkt alsof geen mens nog te redden valt of gered wil worden. Ondanks de profetische intermezzo's van verschillende passanten, lijkt het niemand werkelijk iets te kunnen schelen. Verlangen, verlies, verloren.

Apocalypso is de eerste avondvullende voorstelling van Jibbe Willems. Het script doet filmisch aan, in korte, vaak absurdistische scènes, zapt de lezer door een krankzinnige wereld die snel naar zijn einde dendert. De tekst is rauw, soms grof en banaal, dan weer poëtisch en kwetsbaar. Met de ontsporende wereld, lijkt ook hier en daar de tekst een beetje aan richting te verliezen. Maar Apocalypso is overdonderend, origineel en leest alsof de schrijver een kolkende vulkaan in zich heeft die via de taal een stroom aan vuur, hartstocht, geweld en liefde uitkotst. Indrukwekkend.

 

 

zum Stückepool 2008

 

 

Preisträger 2007

1. Preis:

 „Titus“
von Jan Sobrie

Die Grundidee ist erschreckend in ihrer Einfachheit: Ein junger Mann, an der Kante des Daches seiner Schule. Sein Leben passiert Revue. Sein Leben ein Abgrund.
Monologe auf dem Theater, in Solostücken zumal haben mitunter – zu oft – etwas Gequält-Quälendes. Nicht so das Stück „Titus“ von Jan Sobrie, der uns von der ersten Theatersekunde an in das Leben eines unglücklich gewordenen jungen Mannes nicht hineinführt, nein hineinreißt. Wir, die Zuschauer, in die Welt dieses Youngsters geworfen, wie diese erdachte Bühnengestalt in ihre eigene Welt. 
Äußerste Reduktion in der Sprache, Lakonie in der Erzählweise hält uns Jan Sobrie mit packenden Episoden seines am Leben scheiternden Helden gefangen, atemlos verfolgen wir dessen Geschichten, die uns so bekannt vorkommen. Langeweilen, anbrechende und verlorene Lieben, Verluste, Zuneigungen, Sehnsüchte. Die ganze Welt breitet sich uns aus, die ganze Welt, betrachtet aus der Sicht von Titus.
Doch sehr abwechslungsreich, sehr vielgestaltig, sehr stark in Fluss und Rhythmus treten uns diese Episoden gegenüber. Titus, die Welt durch seine Augen gesehen, durch seinen Körper durchwandelt, erzählt uns etwas über uns selbst.
Dank des Einfallsreichtums, dank der disziplinierten Sprachmacht seines Erfinders. Ein Meisterwerk.
Die Worte dieses Monologes hören sich vollkommen natürlich an und sind sehr gut gewählt. Musikalisch, swingend und klingend zugleich. Wie ein Maler weiß Jan Sobrie mit einigen guten Strichen seinen Protagonisten zum Leben zu erwecken und seine junge Hauptperson in eine Umgebung zu platzieren. So kreïert Sobrie eine Person, die versucht, sich tapfer ins Leben zu begeben, sowie gleichermaßen eine (Um)welt, in der deutlich wird, wieviel Widerstand ihm entgegenkommt. Titus ist das Stück, bei dem man beim Lesen laut lacht und leise weint.

 Ein Monolog wie ein Hammerschlag. Er geht langsam unter die Haut. Worte kriechen in deinen Unterleib. Das ist rätselhaft und nicht alles ist zu erklären, aber es lässt dich, als Leser, nicht mehr los. Rührend und voller Leidenschaft geschrieben. Ein Schrei nach Liebe...

 

 

4 gleichwertige 2. Preise

 

Zu Besuch
von Lothar Kittstein (D)

 Een oude man, wiens vrouw gestorven is, krijgt bezoek van haar geest. Haar verschijning vult de leegte op die de vrouw bij de man heeft achtergelaten, maar ook onvervulde wensen lijken eindelijk werkelijkheid te worden. Dit zorgt voor veel grappige ‘spookverschijningen’ en er wordt speels getoverd en gegoocheld met het thema ouderdom en vergeetachtigheid.

Een knap geconstrueerde tekst, mooi van taal, liefdevol en speels geschreven. Een stuk dat kinderen een raadselachtig kijkje gunt in de wereld van oude mensen.

Ein alter Mann, dem die Frau gestorben ist, erhält Besuch von deren Geist. Ihre Erscheinung füllt die Leere, welche die Frau bei ihrem Mann hinterlassen hat. Aber auch unerfüllte Wünsche scheinen endlich Wirklichkeit zu werden. Das bringt viele witzige ‘Geisterscheinungen’ und Wortspiele hervor, spielerische Zauberei und Magie zum Thema Altsein und Vergessen. Ein sehr gut konstruierter Text, schön in seiner Sprache, liebevoll und spielerisch geschrieben. Ein Stück, das Kindern einen rätselhaften Einblick gibt in der Welt alter Menschen.

 

Liebe, A Bloody Lovestory
von Theo Fransz 

Kommen zwei Männer auf die Bühne und erzählen eine Liebesgeschichte, die sich gewaschen hat. Mild und wild. Eine zunächst normale Geschichte zweier junger Leute, Harry, dem Mädchen und Paul, dem Jungen. Eine Geschichte, in der die zärtlichste Neigungen des Verliebtseins, das dringende Verlangen nach dem Anderen, der Schmerz des Verlassen-Seins sich Ausdruck verschaffen. Dann Schwangerschaft. Dann ein nicht mehr ganz so normales Ereignis, ein Missverständnis – die Liebesgeschichte: ein Drama. 

Mit seinem Stück „Liebe, a Bloody Love Story“ hat Theo Fransz es geschafft, einen packenden, kraftvollen Text zu erstellen, der es zwei Kunstgestalten, Igor I und Igor II erlaubt, auf drastische, Weise eine Liebesgeschichte ihrer scheinbaren Normalität zu entreißen. Gleichzeitig mit der sehr körperlichen Sprache, seinem sehr starken Duktus wirkt der Text treibend auch in seiner Rhythmik. Er jagt die Protagonisten, das liebende Paar, durch die Stationen ihrer Liebe; mit ihnen erfährt das Publikum innigste Gefühlsanwandlungen, sprachlich vermittelte Grenzerfahrungen, wie sie nur Liebenden zuteil werden, neben Zärtlichkeiten auch Ängste, auch Schrecken, Abwehr, Ekel und Entsetzen, Gefühle, die an die Grenze zur Provokation heranreichen.

Von Anfang bis Ende ein Drama, das den Zuschauer packt, fesselt, verschlingt und wieder ausspuckt. Dem Stück wäre ein Inszenierung zu wünschen, die die Abgründe der Freude und des Entsetzens zu erfassen vermag, das Wagnis der vorhersehbare Gratwanderung in der Kommunikation mit dem Publikum eingeht und sich der formstarken und poetischen Kraft des Textes gewachsen zeigt..

 

De slag bij Dobor   
von Rian Koopman

 Tekst (met liederen) over een bijna verlaten Circus en haar bewoners. Thema: alles komt tot stilstand wanneer je maar blijft (terug-)verlangen naar iets wat was, maar niet meer komen zal. Waarin een oude vrouw wacht op de thuiskomst van haar oudste zoon, die ‘naar de oorlog’ is, en daarmee het hele bedrijf lamlegt. Maar de zoon keert niet terug. We ontmoeten allerlei kleurrijke bevreemdende personages die, door de strenge dominante moeder, al jaren vast zitten op dezelfde plek. Het heeft een vreemde, bijna Felliniaanse sfeer. De personages zijn divers en fascinerend, met humor en lichtheid geschetst. De dialogen zijn helder, verrassend en uiterst speelbaar. De liedteksten zijn opvallend goed en samen vormen ze één tragikomisch geheel. Het stuk heeft een bijna klassieke structuur met een moderne twist. Voor een regisseur een uitdaging om een dergelijke ‘grote’ tekst te ensceneren. Ik zie een lokatie voor me, breed, ergens buiten, met veel mogelijkheden, acteurs, goocheltrucs, poppen... een breed publiek, families... dat zou mooi zijn... Maar zover is het nog niet.

 Vanuit de tekst is ons niet duidelijk voor wie het stuk geschreven is: kinderen? Jongeren? Familie...? Maar het heeft genoeg fascinerende elementen voor een breed publiek.

 Ein Text (mit Liedern) über eine verlorene Zirkusfamilie. Thema: Alles steht still wenn die Sehnsucht nach etwas, was nicht wiederkommen wird, zu gross ist. Eine Frau wartet auf ihren ältesten Sohn, der in den Krieg gegangen ist, aber nicht zurückkehrt. Deshalb verbietet sie den anderen ihre Arbeit und damit: ihr Leben weiter zu machen, weiter zu leben. Die Figuren faszinieren und sind farbreich und liebevoll beschrieben. Der Text hat eine fremde, fast Fellini´sche Atmosphäre. Die Dialoge sind klar, überraschend und äusserst spielbar. Die Liedertexte sind aussergewöhnlich schön und zusammen  entfaltet beides eine tragikomische Wirkung. Das Stück hat eine beinah klassische Struktur aber mit einem modernen Twist. Für einen Regisseur eine Herausforderung, es zu inszenieren. Irgendwo draussen, ein Festival, breite Spielfläche, grosses Buhnenblid, Magie, Zaubertricks, Puppen... und Familien als Publikum. Das wäre schön... Aber so weit ist es noch nicht...

 Es ist uns nicht ganz klar, für wen dieser Text geschrieben wurde. Aber er bietet genügend faszinierende Elemente, um viele Leute, alt und jung, eine Stunde lang zu amüsieren.

 

„Das Pferd aus Blau“
von Marcel Cremer

 Der Autor ist ein Romantiker:
Die Dichtung der Romantik erhebt angesichts der sozialen Spannungen die innere Welt zum eigentlichen Raum für Selbstverwirklichung und sie tut es damit den Kindern gleich. Folgerichtig wird in der Romantik die Gattung Märchen zum Kunstgegenstand.
Das Symbol der Romantik ist die Blaue Blume als Sinnbild für die Sehnsucht nach dem Unendlichen:

Und mit dem Titel unseres Stückes galoppiert es uns entgegen, das romantische Wesen, springt aus der Mitte des Kinderherzens. Das Pferd aus Blau! Es ist Inbegriff der Sehnsucht, es steht für den süßen Schmerz und die Kraft der Erinnerung, wie auch die Romantik die Rückbesinnung, die Entwicklung eines ausgeprägten Geschichts- und Geschichtenbewusstseins zum Programm erhebt.

Ein Mädchen verliert seinen Großvater, „den einen, einzigen, einzigartigen Großvater“. Aber es behält dessen Geschichten, Geschichten von früheren Zeiten, vom Kreislauf der Natur, von Tieren und Menschen, von Anstrengung, Freude und Liebe, Geschichten von dem Pferd aus Blau. Und indem das Stück Geschichten lebendig werden lässt, preist es deren Kraft, zu trösten und Wertvolles, verloren Geglaubtes zu erhalten.

Stückepool 2007

Sieger Paul-Maar Stipendium 2007

 

Preisträger 2006

 Assepoes  
von Pamela Koevoerts

Wenn es ein Genre gibt das im Kindertheater sehr oft benutzt wird, ... weiter lesen? klick hier!

   

An der Arche um acht
von Ulrich Hub

In seinem Stück „An der Arche um acht“ bezieht sich Ulrich Hub auf ein Ereignis,... weiter lesen? klick hier!  

 

Stückepool 2006

Sieger Paul-Maar Stipendium 2006

 

 

 

Preisträger 2005

1.Preis:
"Trüffelschweine" von Kristo Sagor (D)

Zwei Teenager, 15 und 18 Jahre alt, .... weiter lesen? klick hier!

Kontakt/Rechte: www.kiepenheuer-medien.de

 

einen 2. Preis:
"Het behouden Huysch" von Peer Wittenbols (NL)

 “Het behouden Huysch” von Peer Wittenbols beschreibt eine holländische Entdeckungsreise ... weiter lesen? klick hier!

Kontakt/Rechte: Toneelgroep OOSTPOOL - für die deutsche Übersetzung: www.verlag-autorenagentur.de

 

einen 2. Preis:
"Der Winterzirkus"
von Martin Baltscheit (D)

 Anna wird bald 10 Jahre alt, das letzte Jahr mit der „einsamen Zahl“.... weiter lesen? klick hier!

Kontakt/Rechte: www.baltscheit.de

 

3. Preis:
"Bikini" von Tina Müller (CH)

Der Text von Bikini beschreibt sehr humoristische, ironische Dialogszenen ... weiter lesen? klick hier!

Kontakt/Rechte: tinschca@gmx.ch

 

Stückepool 2005

 

 

Preisträger 2004

Raven Ruell für: Stoksielalleen, B

Peter de Graef für: Parcival, NL

Peer Wittenbols für: Atalanta, NL

Claudius Lünstedt für: Vaterlos, D

Norbert Ebel für: Erbs und Bohn Duell, D
www.theaterstueckverlag.de

 

Stückepool 2004

 

 

 

 

Die Preisträger 2003

1. Preis: 
Die Überredung 
von Martin Baltscheit, ein Stück für Jugendliche ab 16

 Zwei junge Männer, Vito und sein Freund, warten auf einer Bank im Bahnhof auf den verspäteten Zug. Vito behauptet, ein Prinz zu sein und erzählt, dass er drei Tage und Nächte brauchte, um geboren zu werden. Drei Tage stellte sich ihm die Frage, welchen Wert es haben würde, ins Leben zu gehen.

Die Szene wechselt vom Bahnhof ins Schlafzimmer der Königin-Mutter, und eine Reihe Figuren zieht vorüber. Alle versuchen, Vito zu überreden, geboren zu werden. Mit Argumenten, Verlockungen, Gewalt, Tränen... Die Überredung ist ein fantastischer absurder Theatertext. Der Text ist bildreich, die Personnage (die Königin, der König, die schöne Hebamme, der Arzt, der Psychologe, der Präsident, der Kardinal, die Putzfrau) zeichnet ein Bild der Schwächen und Stärken, die man im Leben erwarten kann.

  

2. Preis: 
FSK 16
 
von Kristo Sagor, ein Stück für Jugendliche

  „FSK 16“ – Zwei Mädchen, ein Junge treffen in einem nächtlichen Kinosaal aufeinander, scheinbar vereinzelt, warten auf den Film, der nie kommen wird. Sie beginnen zu handeln nach dem Prinzip, das sie selbst aussprechen werden: „Wir wollten nur, dass mal was passiert. ..“

Und so „passieren“ Intrige, Disharmonie, Provokation, Aggression, verbale, sexuelle u. körperliche Gewalt. Aber es geht um Vertrauen, Annäherung, Interesse für einander, Zärtlichkeit und Liebe.

Dem Autor ist es gelungen eine „neue“ Wirklichkeit zu schaffen, in der die Entwicklung Jugendlicher, ihre Suche nach Identität, die Dynamik zwischen den Geschlechtern fast beiläufig das Geschehen bestimmen.  Der Ort wird auf den Kopf gestellt und die Figuren handeln entgegengesetzt zu den erwarteten Rollenklischees.

 

3. Preis: 
Zolderling /
 Bomben in der Suppe 
von Joris van den Brande und Jan Sobrie , ein Stück für Kinder ab 8

Joris wohnt auf dem Dachboden. Sein Vater will sich von seiner Mutter scheiden lassen. Seine Eltern wohnen noch im selben Haus, aber sie haben Mauern durch ihre Zimmer gezogen, sogar im Bett. Auf der einen Seite wohnt Mutter, auf der anderen Seite Vater. Der einzige Ort, der nicht geteilt wurde, ist der Dachboden. Denn dahin kommen sie nie. Der gehört Joris ganz und gar. Er hat dort seine eigene Welt geschaffen und hat sich einen imaginären Freund erschaffen: Jan, mit dem er seine Hoffnungen, Erwartungen, Ängste und Enttäuschungen teilt, durch den er sich definiert und durch den er wächst...

 www.theaterstueckverlag.de

Stückepool 2003

 

Preisträger 2002

 

Heleen Verburg für: Katharina Katharina in het Ganzenbord / Katharina Katharina im Gänseleiterspiel, NL

Daniell Call für: Frag nicht, Julchen, D

 

Stückepool 2002

 

Preisträger 2001

Roel Adams für: De dag dat mijn broer niet thuis kwam, NL

Bart Moeyart  für: Rover, dronkeman , B

Lilly Axster für: Verhüten & Verfärben , A

 

Stückepool 2001

 

Preisträger 2000

Ulrich Hub für: Pinguine können keinen Käsekuchen backen, D

Esther Gerritsen für: Gras NL

 

Stückepool 2000 

 

Preisträger 1999

Roel Adams, für: Bijna was ik goed / Fast gelungen, NL

Pauline Mol für: Bison & Zn, NL

Norbert Ebel für: Ox & Esel, D - 
www.theaterstueckverlag.de

Bernd Plöger für: Das Experiment, D

 

Stückepool 1999